Keine Corona-Maßnahmen mehr
Was machen die Dänen besser als wir?
Das ganze Land ist in Feierlaune. Am vergangenen Wochenende hat Dänemark als erstes EU-Land ganz offiziell alle Anti-Corona-Maßnahmen ausgesetzt und die Straßen Kopenhagens waren voll an diesen schönen Spätsommertagen. Partystimmung pur. Dank einer hohen Impfrate wird Corona von der däni schen Regie rung nun nicht mehr als "gesellschaftskritisch" eingestuft. Die Pandemie sei unter Kontrolle.
Gute Erklärung. Die hohe Impfrate wurde ohne Zwangsmaßnahmen erreicht. "Das war nicht nötig", sagt Troels Lillebaek vom Serum-Institut, dem in Dänemark das Corona-Management untersteht: "Hat man eine gute Erklärung und gibt es Vertrauen in die Behörden, lassen sich die Menschen impfen."
Glückliches Dänemark, ist man in Österreich versucht zu denken. Mehr als 15 Prozent mehr als derzeit in Österreich beträgt die dänische Impfrate: 74 Prozent -davon ist Österreich mit seinen knapp 60 Prozent noch meilenweit entfernt.
Streng und rechtzeitig. Tatsächlich haben Dänemark, das von der sozialdemokratischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen regiert wird, und seine etwas weniger als sechs Millionen Einwohner vieles richtig gemacht. Die Maßnahmen, von Maskenpflicht bis Lockdown, waren von Anfang an rigider und wurden früher verhängt als in anderen Ländern. Außerdem setzte man von Beginn an auf den Impfstoff BioNTech/Pfizer. Das hatte zwei Vorteile. Zum einen konnte ein Lieferengpass verhindert werden, zum anderen trug kein anderes Vakzin mit schlechtem Image, auf AstraZeneca wurde verzichtet, zur Verunsicherung der Bevölkerung bei.
Warnungen. Die Euphorie, endlich wieder frei zu sein, ist deshalb groß in Dänemark - auch wenn einige Experten warnen. Schließlich steigen die Belegungszahlen in dänischen Spitälern wieder an.
Aufgegeben. Ein weiteres europäisches Land hat praktisch alle Anti-Corona-Maßnahmen aufgehoben - freilich unter ganz anderen Voraussetzungen. In Großbritannien sind die Pubs wieder voll, Masken sind im Straßenbild kaum mehr wahrzunehmen. "Man hat den Eindruck", sagt die in Yorkshire lebende Wienerin Kristina Standeven, "dass Premier Johnson die Pandemie egal ist und er den Kampf aufgegeben hat. Hier gilt: Wer nicht geimpft ist, ist selbst schuld."