Bitcoin-Gegner heißt nicht mehr "Libra"

"Diem": Neuer Name für Facebooks Kryptowährung

02.12.2020

Digi-Geld des Online-Netzwerks soll an Dollar gekoppelt sein - Bitcoin macht deutlichen Rücksetzer.

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© Getty Images
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Überraschender Namenswechsel bei Facebooks geplanter Kryptowährung. Bisher firmierte das Digi-Geld unter der Bezeichnung "Libra". Doch kurz vor dem möglichen Start  wurde sie nun in 
"Diem" umbenannt. Dadurch soll die Unabhängigkeit von dem amerikanischen Online-Netzwerk betont werden. Facebook tritt also nur noch als Unterstützer der neuen Kryptowährung auf. Die Umbenennung sei Teil eines Umbaus zu einer einfacheren Struktur, sagte der Vorstandschef der in Genf ansässigen Diem Assocation (vormals Libra Association), Stuart Levey, der Nachrichtenagentur Reuters. Bitcoin rutschte indes nach einem Rekordhoch wieder deutlich auf 18.100 Dollar ab. Experten trauen ihm im kommenden Jahr dennoch einen immensen Wertgewinn zu .
 
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Reaktion auf Kritik

Diem, was auf Lateinisch "Tag" bedeutet, solle zu einer an den Dollar gekoppelten digitalen Geldmünze werden. Einen Zeitplan für die Einführung nannte Levey nicht. Zunächst müsse die Genehmigung der Schweizer Aufsichtsbehörden erfolgen. Facebook bleibe "wichtiges Mitglied der Vereinigung", die insgesamt 27 Mitglieder zählt, sagte Levey. "Wir versuchen nicht, alle Verbindungen zu kappen, bei weitem nicht." Die Namensänderung solle aber unterstreichen, dass die Diem Association "autonom und unabhängig arbeitet", fügte er hinzu. Diem wolle sich von anderen Krypto-Anbieter unterscheiden, indem die für Regulierungsbehörden und westliche Regierungen wichtigen Belange berücksichtigt werden - einschließlich Sanktionskontrollen und Finanzkriminalität, sagte Levey.
 
Facebook hatte mit seinen Plänen für ein eigenes Digitalgeld Regierungen, Aufseher und Zentralbanken weltweit auf den Plan gerufen. Im April stellte die für den Aufbau der Cyberdevise gegründete Libra Association in der Schweiz einen Antrag für die Bewilligung als Zahlungsmittel. Viele Regierungen haben aber Vorbehalte, Facebook mit einer digitalen Währung in den Finanzsektor vordringen zu lassen. Wegen des Vormarsches der Kryptowährungen erwägt nun auch die Europäische Zentralbank (EZB) die Schaffung eines "digitalen Euro".
 
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Bitcoin nichts für schwache Nerven

Die bestehende Kryptowährung Bitcoin ist indes nichts für nervenschwache Anleger. Nachdem die dem Marktvolumen nach größte Digitalwährung am Dienstagvormittag erneut ein Rekordhoch markiert hatte, brach sie am Nachmittag ein. Dabei sah es in der Früh zunächst so aus, als könnte die Kryptowährung erstmals die Marke von 20.000 US-Dollar übersteigen. Mit 19.918 Dollar wurde auf der Handelsplattform Bitstamp zwischenzeitlich ein Rekordhoch markiert. Am frühen Nachmittag stürzte der Kurs aber bis auf 18.100 Dollar ab.
 
Erst am Montag hatte die rund eine Dekade alte Internetwährung ihr Rekordhoch aus dem Jahr 2017 übersprungen. Unter Optimisten hatte dies Hoffnungen geweckt, der Kursanstieg sei dieses Mal nachhaltiger als während der wilden Rekordjagd vor etwa drei Jahren. Damals folgte auf den drastischen Kursanstieg ein ebenso drastischer Kursverfall.
 
Bitcoin-Befürworter nennen handfeste Gründe für ihre Hoffnung auf mehr Stabilität. So hatte der große Bezahldienst Paypal vor wenigen Wochen eine Art Ritterschlag erteilt, indem er die Bezahlung mit Bitcoin und Co. ankündigte. Auch wird angeführt, es interessierten sich zunehmend professionelle Anleger wie Vermögensverwalter für Kryptowährungen, was kurzfristige Kurskapriolen zumindest unwahrscheinlicher mache.
 
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Hochriskant

Der jüngste Kursritt dürfte allerdings eher die Warnungen von Verbraucherschützern bestätigen, die in Kryptowährungen vor allem ein "hochriskantes Spekulationsobjekt" sehen. "Kryptowährungen unterliegen starken Kursschwankungen", warnte unlängst die Verbraucherzentrale Hamburg. Ihr Wert hänge allein von der Nachfrage ab. "Bricht die Nachfrage ein, verliert auch die Währung an Wert." Die Verbraucherschützer verweisen darauf, dass Bitcoins keine zusätzlichen Zinsen abwerfen. "Weiterer Nachteil: Der Markt für Kryptowährungen ist nicht durch eine Finanzaufsicht reguliert. Es fehlen staatliche Sicherungssysteme."
 
Bei der langfristigen Bewertung von Bitcoin spielt die Tatsache eine maßgebliche Rolle, dass die Kryptowährung als endliche Ressource und damit als ein prinzipiell knappes Gut definiert ist. Im Jahr 2008 veröffentlichte jemand unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto ein Dokument, das eine digitale Währung beschreibt. 2009 wurde die dazugehörige Bitcoin-Software öffentlich gemacht. Die höchste Anzahl an Bitcoin ist in dem Papier auf knapp unter 21 Millionen Bitcoin festgelegt worden. Diese maximale Geldmenge ist auch im Bitcoin-Code festgezurrt. Daher kann hier nicht zusätzliches Geld "gedruckt" werden wie bei herkömmlichen Währungen, die der Kontrolle einer Zentralbank unterliegen.
 
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Zwerg im Vergleich zu Gold

Im Vergleich zum Handel mit anderen knappen Vermögensgegenständen wie Gold handelt es sich beim Bitcoin allerdings um ein vergleichsweise kleines Projekt. Vor diesem Hintergrund weisen Experten wie der Frankfurter Wirtschaftswissenschaftler Philipp Sandner darauf hin, dass der Bitcoin-Markt relativ gesehen über eine recht geringe Liquidität verfügt. "Auch dies ist ein Grund für die hohe Volatilität."
 
Bedroht wird der Wert des Bitcoin auch durch eine mögliche staatliche Regulierung. Wenn Wirtschaftsräume wie die Volksrepublik China, die Vereinigten Staaten oder die Europäische Union den Handel mit Bitcoin scharf regulieren oder gar verbieten würden, könnte entsprechend auch der Tauschkurs zu den klassischen Währungen einbrechen. Außerdem steht der Bitcoin mit anderen Kryptowährungen wie Ethereum oder Ripples XRP in Konkurrenz, die auch mit deutlich weniger Stromverbrauch "geschürft" werden können.
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