Existiert nicht

Nur Einbildung? Forscher halten Frühjahrsmüdigkeit für einen Mythos

10.03.2026

Im Frühjahr fühlen sich viele Menschen schlapp und müde. Bisher haben wir das immer auf die klassische „Frühjahrsmüdigkeit“ geschoben. Doch laut Forschern ist dieses Phänomen offenbar reine Einbildung. 

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Wenn im März und April die Natur erwacht, sinkt bei vielen von uns das Energielevel auf den absoluten Tiefpunkt. Man fühlt sich schlapp, antriebslos und gähnt sich durch den Tag. „Ganz klar, die Frühjahrsmüdigkeit!“, sagen wir uns dann. Aber falsch gedacht: Eine neue Schweizer Studie zeigt jetzt, dass wir uns diese Erschöpfung wohl nur einreden.

Frühjahrsmüdigkeit: Alles nur Einbildung

Um dem Mythos der Frühjahrsmüdigkeit auf den Grund zu gehen, haben Forschende der Universität Basel und des Center for Chronobiology der Universitätspsychiatrischen Kliniken ein Experiment gestartet. Ein ganzes Jahr lang wurden 418 Personen alle sechs Wochen zu ihrem Energielevel befragt. Dazu mussten sie folgende Fragen beantworten Wie erschöpft waren sie in den letzten vier Wochen? Wie steht es um die Tagesschläfrigkeit? Und wie gut war der Schlaf wirklich?

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Das überraschende Ergebnis: Es gab keinerlei Hinweise auf die Frühjahrsmüdigkeit. Die Daten zeigten zwischen den einzelnen Monaten schlichtweg keine Unterschiede. Nicht einmal die Personen, die vor der Studie felsenfest behauptet hatten, unter Frühlingsmüdigkeit zu leiden, waren im Frühjahr tatsächlich müder als im Rest des Jahres.

Reine Kopfsache: Die selbsterfüllende Prophezeiung

Aber wenn es biologisch gar keine Frühlingsmüdigkeit gibt, warum spüren wir sie dann so deutlich? Die Forschenden haben dafür eine Erklärung: Es handelt sich um ein rein kulturelles Phänomen und eine sogenannte selbsterfüllende Prophezeiung. Weil der Begriff in unserer Gesellschaft so fest verankert ist, hören wir im Frühling einfach viel genauer in unseren Körper hinein. Jedes kleine Gähnen wird sofort als Symptom verbucht.

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Hinzu kommt die Erwartungshaltung: Das Wetter wird besser, wir wollen plötzlich joggen, in den Biergarten, die Wohnung putzen und das Leben in vollen Zügen genießen. Wenn der Körper dann nicht sofort auf 180 ist, schieben wir es frustriert auf die „Frühjahrsmüdigkeit“.

Forscher räumen mit Unwahrheiten auf

Bisher hielten sich hartnäckige Gerüchte, warum unser Körper im Frühling angeblich schlappmacht. Man sprach von weiten Blutgefäßen, sinkendem Blutdruck und einem Überschuss des „Nachthormons“ Melatonin, das sich über den Winter angesammelt habe. Studienleiterin Christine Blume räumt mit diesen Mythen auf:

„Aus chronobiologischer Sicht ist das völlig unplausibel. Eine Art Überschuss von Melatonin zum Ende des Winters, der uns müde macht und zunächst abgebaut werden muss, gibt es nicht.“ Melatonin wird nämlich im strikten 24-Stunden-Rhythmus gebildet und auch direkt wieder abgebaut. Unser Körper ist also kein Lagerhaus für alte Winterhormone.

Wer jetzt noch Zweifel hat, für den haben die Forscher einen ziemlich amüsanten Beweis: Außerhalb des deutschsprachigen Raums kennt man das Wort „Frühjahrsmüdigkeit“ überhaupt nicht! Es ist dort als Konzept schlichtweg nicht etabliert.

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