"Anna Bolena"

Jubel für Netrebko und Garanca

04.04.2011

Donizettis "Anna Bolena" hatte erfolgreiche Staatsopern-Premiere.

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© Wiener Staatsoper
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Oper. Angesagte Sensationen finden manchmal doch statt. Anna Netrebkos Gestaltung der Anna Bolena ist ein Theaterereignis. Bei Donizetti eine ehrgeizige Frau, die liebt, unter dem Verdacht des Ehebruchs leidet, selbst Opfer der Treulosigkeit ihres Gatten wird, zuletzt opernhaftem Wahnsinn verfällt.

Entfaltung
Anna war indirekt Anlass zur Gründung der Anglikanischen Kirche, weil Heinrich VIII. vom Papst keine Ehedispens erhielt, um sie als zweite Frau heiraten zu können. Politik bleibt in der Oper jedoch ausgespart. Ihre Handlung wird vom Chor erzählt und kommentiert, von den Akteuren empfunden und besungen. Es gibt eine einzige Szene mit handfester Bühnenaktion. Eric Génovèse schuf in strengem Einheitsbühnenbild eine sehr vernünftige Inszenierung. Sie begnügt sich mit Arrangements in schönen historisierenden Kostümen und lässt den Sängern Freiraum zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit.

Sinnlichkeit
Anna Netrebko, Elina Garanca, Elisabeth Kulman besitzen diese Persönlichkeit. Sinnlichkeit, Überzeugungskraft, Intensität im Gesang der Netrebko, ihre instinktsichere Bühnenpräsenz sind überwältigend. Die Garanca kontrastiert als Gegenspielerin ideal zur Natürlichkeit der Netrebko, setzt ihre prächtige Stimme mit mehr Kalkül ein, ist rollengerecht härter und kühler. Dazu die Kulman in der Hosenrolle eines verliebten Pagen, treffend porträtiert, elegant gesungen, großartig.

Kostbar
Ildebrando D’Arcangelo (König) schien stimmlich reduziert, Francesco Meli (Annas früherer Verlobter) singt zwar sicher, doch ohne Liebhabertimbre. Beide hatten nur wenig Überzeugungskraft. Die besitzt der Dirigent. Evelino Pidò macht dem Orchester deutlich, wie kostbar die Details von Donizettis Musik sind, und ist den Sängern ein verlässlicher Partner. Zuletzt Enthusiasmus für die Sänger, ein Buhorkan für die Regie. Jener begreiflich, dieser unverständlich.

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