"Was immer auch kommt"

Roger Cicero verarbeitet Trennung mit Album

26.03.2014

Vom Frauenheld zum Familienvater: Swing-Musiker als geläuterter Mann.

Zur Vollversion des Artikels
© Mathias Bothor
Zur Vollversion des Artikels

Der Paradiesvogel unter den Jazz-Sängern hat es nicht leicht. Fast nie wird Roger Cicero nur nach seiner Musik bewertet. An seinem exzentrischen Modegebaren haben sich Kritiker erschöpfend abgearbeitet, etwa als er sich bei Veröffentlichung des Albums "Artgerecht" in knallrotem Anzug mit Hahn auf dem Arm fotografieren ließ. Die Frauenzeitschrift "Emma" kürte ihn einmal zum "Pascha des Monats".

Hier eine kleine Hörprobe "Wenn es morgen schon zu Ende wäre"



Sinnsuche an der Oberfläche  
Auch bei dem neuen Album "Was immer auch kommt", das am Freitag (28. März) erscheint, kann die Sinnsuche an der Oberfläche weitergehen. Nun aber schlägt Cicero leisere Töne an. Sein schillerndes Kostüm hat er abgelegt, ganz in dunkle Kleidung gehüllt blickt der Sänger auf dem Cover-Foto relaxt und irgendwie in sich gekehrt in die Kamera. Und doch hat er noch immer sein Markenzeichen - den Hut - auf.

Weg vom Bigband-Sound
Auf seinem fünften Studio-Album bewegt sich der als "Mr. Swing" bekannte Hamburger weit weg vom satten Bigband-Sound. Die unaufdringliche Hintergrund-Begleitung von Gitarre und Keyboard hat die donnernden Einwürfe von Bläser-Ensembles ersetzt. Auf der neuen Platte löst Radio-Pop den spielerischen Cicero-Jazz früherer Tage ab. Seine sanfte Stimme steht im Vordergrund, was die Bedeutung der Texte zusätzlich unterstreicht. Vor allem in den vielen autobiografischen Songs zeigt sich der Interpret von einer bislang unbekannten, verletzlichen Seite.

Seine Wandlung in musikalischer Form
In 13 Titeln verarbeitet er eine Phase der tief greifenden Veränderung: von Selbstfindung, der eigenen Sterblichkeit bis hin zu familiärem Neustart und Vaterglück reichen die Themen. Das Leitmotiv aber ist die Trennung von seiner Partnerin und Mutter seines fünfjährigen Sohnes. Der Bruch seiner Beziehung bedeutet gleichzeitig einen mit dem eigenen künstlerischen Werk. Seit dem Album "Männersachen" war der Sänger bisher bekannt für glatt gebügelte Swing-Melodien, ironische Wortspiele und gelegentliche Seitenhiebe auf Geschlechter-Klischees.

Transformationsalbum  
"Für mich ist es kein Trennungs-, sondern ein Transformationsalbum. Es geht darum, wie man mit Veränderung umgeht, das ist die Haupt-Message", sagte Cicero der Nachrichtenagentur dpa. Die Arbeit sei ihm und seinem Team an die Substanz gegangen: "Meine Mitschreiber habe ich teilweise in den absoluten Wahnsinn getrieben, weil ich Strophen und Songs weggestrichen und verworfen habe - und sagte: Das müssen wir neu machen." 

Roger Cicero unterwegs
In Österreich ist Cicero zum nächsten Mal im Herbst (21. Oktober Stadthalle Graz, 22. Oktober Stadthalle Wien) zu Gast, schon davor (23. Mai) ist er in der ORF-Satireshow "Wir sind Kaiser" zu sehen.

Info
Alle Informationen rund um die Roger Cicero-Konzerte erhalten Sie unter www.oeticket.com.



 
Zur Vollversion des Artikels
Weitere Artikel