Wie Arigona

Alisar war illegal in Österreich

13.06.2010

Erstaunlich parallel verliefen die Biografien von Arigona und Alisar. Doch das Schicksal hat es nicht mit beiden gleich gut gemeint.

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Ihre Leben verliefen bis vor Kurzem erstaunlich parallel: Alisar und Arigona sind als kleine Mädchen illegal nach Österreich gekommen und haben sich hier wunderbar integriert: Gut in der Schule, Freunde, begeisterte Sportlerinnen, … Die muslimischen Familien Ailabouni und Zogaj sind kinderreich, müssen mit wenig Geld auskommen. Die Väter hauen irgendwann ab, zahlen keine Alimente. Die Mütter sind mittlerweile so krank, dass sie nicht mehr arbeiten können.

Doch an diesem Punkt enden die Gemeinsamkeiten: Arigona (18) fürchtet jeden Tag, den negativen Asylbescheid aus dem Postkasten zu holen (siehe rechts). Alisar (21) hat es hingegen geschafft. Sie ist Germany’s next Topmodel, hat jetzt schon Werbe-Aufträge im Wert von 400.000 Euro und kann damit ihrer Mutter helfen, den Schuldenberg von 10.000 Euro abzubauen. Und: Alisar muss nicht wie Arigona illegal in Österreich leben.

Die gebürtige Syrerin kam mit ihrer Familie bereits im Alter von sieben Monaten von Damaskus nach Österreich – bevor die Haider-FPÖ richtig groß geworden ist und das Fremdenrecht immer weiter verschärft wurde. „Die Gesetze waren damals einfach menschlicher“, sagt Rudi Anschober, oberösterreichischer Landesrat der Grünen. „An diesen Beispielen sieht man, wie negativ sich die Politik in diesem Bereich entwickelt hat.“

Alisar bricht Ausbildung aus Geldmangel ab
Als Touristen eingereist, lebte die Familie Ailabouni zuerst in Amstetten, kurz nachdem Alisar die Hauptschule begonnen hat, ziehen sie nach Schörfling (0Ö) um.

Alisars Traum: Jus studieren, Anwältin werden. Doch sie muss ihre Ausbildung abbrechen und als Verkäuferin arbeiten, um ihre Mutter, die Brüder Assad (24) und Samir (18) sowie die kleine Nuru (4) zu unterstützen. Jetzt darf Alisar wieder träumen. Als Topmodel jettet sie von einem Termin zum nächsten, heimst jede Menge Aufträge ein. Die Stadt Mattighofen, wo die Familie heute lebt, will ihr einen tollen Empfang bereiten. Nur ein paar Kilometer weiter, im Städtchen Frankenburg, droht etwa zur gleichen Zeit ein trauriger Abschied. Dann nämlich, wenn im Asylbescheid für die 18-jährige Arigona das Wörtchen „negativ“ aufscheint.

Banges Warten bei Arigona Z.

Die Entscheidung über Arigonas Schicksal könnte schon nächste Woche fallen.

Über das Schicksal von Arigona Zogaj beraten derzeit 14 Verfassungsrichter. Noch bis 26. Juni läuft die Juni-Session des Verfassungsgerichtshofs (VfGH), in der entschieden wird, ob Arigona nun endgültig zurück in den Kosovo muss.

In der Regel werden die Entscheidungen erst gegen Ende der Session bekannt gegeben, im Fall Arigona kann es aber sein, dass das Urteil schon vorher öffentlich verkündet wird. „Es ist demnächst mit einer Entscheidung zu rechnen“, so der Sprecher des VfGH Christian Neuwirth. Die Beratungen seien bisher aber noch nicht gänzlich abgeschlossen worden.

Sollte der Asylbescheid positiv sein, ist es für Arigona dennoch zu früh zum Aufatmen. Denn dann geht der Fall wieder zurück an den Asylgerichtshof. Ihre Rechtsvertreter hoffen, dass Arigonas Integrationsgrad dann festgestellt wird und es auch zu einer direkten Anhörung kommt. Beides ist bisher nicht passiert.

Keiner der Beteiligten traut sich heute einzuschätzen, wie der Fall ausgeht. „Alles ist offen“, heißt es bei allen Betreuern. Arigonas Zustand ist nach wie vor nicht gut. „Ihre Stimmung ändert sich zwar oft“, so Christian Schörkhuber von der Volkshilfe. „Aber gut geht es ihr wegen der dauernden Ungewissheit, in der sie leben muss, nie.“

Alisar und Arigona – zwei Schicksale

Alisar

Herkunft: Syrien
Wohnt in: Mattighofen (Oberösterreich)
In Österreich seit: 20 Jahren – legal
Alter: 21
Familie: zwei Brüder, eine Schwester
Zukunft: Millionen-Aufträge als internationales Topmodell

Arigona

Herkunft: Kosovo
Wohnt in: Frankenmarkt (Oberösterreich)
In Österreich seit: 9 Jahren – illegal
Alter: 18
Familie: drei Brüder, eine Schwester
Zukunft: Ungewiss. Abschiebung in den Kosovo droht jetzt

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