Fall der Woche

Justiz-Pleite: 4 Häftlinge aus Spitälern ausgebüxt

24.11.2023

Zum vierten Mal in nur zwei Wochen gelang einem Gefängnis-Insassen die Flucht. Dabei erweist sich ein Fall nach dem anderen für den Strafvollzug als noch peinlicher.

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© TZOe MFellner, LKA NÖ, LPD Wien
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Wien, NÖ. Begonnen hat alles Anfang November mit der Überstellung eines weiblichen Häftlings (36) von der JA Schwarzau ins Spital nach Wiener Neustadt. Sie wurde stationär aufgenommen, sollte operiert werden. Als die Bewachung abzog und die 36-Jährige eine schlimme Diagnose bekam, tauchte die sterbenskranke wieder in der Wiener Drogen- und Heroinszene unter, wo sie schließlich festgenommen wurde.

Influencer. Kurz darauf entkam, ebenfalls in Wr. Neustadt, ein 16-jähriger Afghane, der in Handfesseln vor der Untersuchung wegen einer angeblich akuten Erkrankung auf und davon lief. Auf der Flucht wurde er zum Häfen-Influencer, narrte via Instagram seine Verfolger – zeigte die geknackten Handschellen, rauchte einen Joint und erbot sich als Gangster-Rap-DJ.

© Instagram (Fotomontage)

Er wurde in Wien geortet, geschnappt und zurück in den Jugendknast nach ­Gerasdorf gebracht.

Uni-Klinik. Indes war aber schon der nächste Insasse ausgebüxt – diesmal in der Wachau. Dort ließ sich ein wirklich schweres Kaliber, ein Tschetschene (35), der wegen bewaffneten Überfalls und Körperverletzung noch bis 2032 in Stein eingesessen wäre, wegen seines angeblich kaputten Knies zum MRT zur Uni-Klinik Krems bringen.

© LKA NÖ

Kaum auf dem Spitals­gelände, nahm auch Islam Y. trotz angelegter „Achter“ Reißaus. Die überrumpelten Wachen hatten nicht die Puste, dem athletischen Ex-MMA-Fighter zu folgen Vermutlich hatte der Gesuchte Fluchthelfer, die ihn mit dem Auto abholten.

Dritter gefasst. Mit einem Taxi und wiederum in Handschellen floh dann am Donnerstag jener Josefstadt-Insasse, der mit einem gebrochenen Finger und zwei Bewachern ins AKH kam. Der „Ausflug“ des verurteilten Nazis und Gewalttäters war aber nur kurz. Einen Tag später konnte er wieder eingefangen werden.

Justiz-Insider bemängeln, dass einfache Handschellen als Sicherung bei Spitalsausfahrten einfach zu wenig seien. Gefordert wird zumindest ein zusätzlicher Gurt am Bauch, der mit den Handfesseln verbunden sind. Oder Fußfesseln – mit denen keiner mehr (davon)laufen kann.

Der Kompromiss: Alle Justizanstalten sind seit Freitag angewiesen, bei Eskorten in Zukunft den Häftlingen die Arme hinter dem Körper zu fesseln . . .

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