Verlies-Fall

Natascha Kampusch zieht erste Vergleiche

30.04.2008

Das Entführungsopfer Natascha Kampusch zieht in einem Ö3-Interview erstmals Vergleiche zwischen ihrer Gefangenschaft im Verlies und der Familie Fritzl.

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Natascha Kampusch spricht. Trotz der Kritik, dass sie "ja selbst nur ein Opfer sei" und lieber "bei ihren Leisten" bleiben solle, äußert sich das prominente österreichische Entführungsopfer erneut zum Fall der Familie Fritzl und spricht auch über ihr eigenes Leid im Verlies. Erstmals zieht die junge Frau auch Vergleiche zwischen ihr und dem Opfer Elisabeth Fritzl.

... über Elisabeth Fritzl
Natascha im Ö3-Interview über die Dauer der Gefangenschaft der Elisabeth Fritzl: "Zum Glück musste ich nicht so lange warten." Sie gab zu Bedenken, dass das Opfer des Josef Fritzl zumindest ein "System" und ihre Kinder hatte. "Die Frau war sicher total verunsichert", so Natascha Kampusch weiter. Sie gab sich außerdem überzeugt, dass die Frau einerseits große Scham empfunden haben muss, andererseits nicht mehr entscheiden konnte, was jetzt Recht und Unrecht sei.

... über ihre Ängste im Verlies
Natascha kann sich das Martyrium im Verlies gut vorstellen, da sie dies ja auch selbst durchgemacht hat. Sie erzählte im Ö3-Interview, dass sie jedes Mal wenn er (Anmk: ihr Entführer Priklopil) zum Einkaufen gefahren ist, Angst hatte, lebendig begraben zu werden. "Ein Grab war es ja eh schon!"

... über ihre Hoffnung auf Befreiung
Der Ö3-Moderator stellte Natascha als nächstes die Frage, wofür man im Verlies eigentlich lebe. Darauf antwortete Natascha: "Der Körper lebt ja auch mit." Das letzte was ihr Entführer gewollt hätte, wäre ja gewesen, dass sie sterbe, denn dann hätte er nichts mehr zu quälen gehabt. Sie habe nur überlebt, weil ihr Körper nicht versagt hätte, so Natascha. Außerdem habe sie immer die Hoffnung gehabt, dass das nicht alles gewesen sein könne, es nicht ihre Bestimmung gewesen sein könne, so zu enden.

... über ein Leben im Haus
Natascha Kampusch kann sich im Interview vorstellen, dass sich die Familie Fritzl in ihrem Haus weiterhin wohl fühlen könnte und sie in vertrauter Umgebung, die "Welt besser entdecken" könne. Auch sie könne es sich durchaus vorstellen, unter gewissen Umständen im Haus des Herrn Priklopil zu leben. "Es ist ja nur ein Haus."

... über den Medienrummel
Auch bei ihrem Fall gab es einen riesigen Medienrummel. Der Ö3-Reporter fragte sie, ob sie ihre Medienpräsenz (die ganzen Interviews und die TV-Reportage in Barcelona) bereue. Natascha dazu: "Ich schien keine andere Wahl zu haben." Die Medien hätten sich sonst unwahre Geschichten ausgedacht, das funktioniere nur, wenn man kooperativ sei. Es war eine Art Flucht nach vorne.

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