Netzwerkanalyse
Studie: Alkohol für Österreicher falsches "Antidepressivum"
17.02.2026Österreicher, welche zu viel Alkohol trinken, benutzen diesen als fehlgeleitetes Mittel, um speziell depressive Stimmungen zu beherrschen.
Das hat jetzt eine Netzwerkanalyse zu psychischen Erkrankungen im Erwachsenenalter mit den Daten von etwas mehr als 2.000 Personen ergeben. Marina Zeldovich von der Fakultät für Psychotherapiewissenschaft der Sigmund Freud Universität in Wien sowie Experten anderer Unis haben die Studie im "Journal of Affective Disorders" veröffentlicht.
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"Alkoholmissbrauch wird zunehmend als eine maladaptive Form der Affektregulation verstanden. Diese Studie untersucht das Zusammenspiel von Alkoholmissbrauch, psychischen Symptomen und Alter in einer repräsentativen Stichprobe österreichischer Erwachsener und nutzt dabei Netzwerkanalysen, um diese Zusammenhänge zu modellieren", schrieben sie.
Daten aus Studie zu Handy-Gebrauch und psychischer Gesundheit
Für die Analyse wurden die Daten von 2.007 Teilnehmern (49 Prozent Frauen, Gesamtdurchschnittsalter 48,2 Jahre) aus einer im vergangenen Frühjahr publizierten wissenschaftlichen Untersuchung zu psychischer Gesundheit und dem Gebrauch von Smartphones herangezogen. Über spezialisierte Fragebögen erfasst wurden dabei auch der Alkoholgebrauch, depressive Symptome, Angstzustände, Schlafstörungen und Stress.
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind etwa zwölf Prozent der Österreicher von Alkoholmissbrauch betroffen. 5,8 Prozent sind alkoholabhängig. Immer mehr Belege deuteten darauf hin, dass Alkohol häufig zur Bewältigung emotionaler Belastungen eingesetzt werde, betonen die Autoren.
21 Prozent mit Zeichen von Alkoholmissbrauch
Schon vor Jahren hat der Wiener Psychiater und ehemalige ärztliche Leiter des Anton Proksch Instituts, Michael Musalek, erklärt: "Die allermeisten Menschen trinken in Österreich nicht, weil es so gut schmeckt, sondern weil sie die Wirkung der Substanz Alkohol brauchen", sagte der Psychiater. "In den letzten Jahren ist immer deutlicher geworden, dass Depressionen und Burn-out nicht so sehr die Folge einer Alkoholkrankheit sind, sondern dass sie die Ursachen eines hohen Alkoholkonsums sind." Dabei sei Alkohol in höheren Dosen selbst depressionsfördernd, was oft einen Teufelskreis in Gang setze.
Die Ergebnisse der aktuellen Studie unterstützen diese Thesen eindeutig: "Insgesamt wiesen 21 Prozent der Teilnehmenden ein positives Screening-Ergebnis für Alkoholmissbrauch auf." Die Analysen hätten gezeigt, dass "Personen mit Verdacht auf Alkoholabhängigkeit höhere Werte für Depression, Angst, Stress und Schlaflosigkeit angaben und jünger" gewesen seien. Das zeigte sich in allen Angaben in den auf die einzelnen psychischen Probleme zugeschnittenen wissenschaftlichen Fragenkatalogen.
Eine Netzwerkanalyse hätte schließlich "einen starken Zusammenhang zwischen Alkoholmissbrauch und depressiven Symptomen" gezeigt. Depressionen und Angstzustände seien hier zentrale Knotenpunkte gewesen. Zunehmendes Alter zeigte eher einen abnehmenden Konnex zwischen Alkoholkonsum und psychischer Belastung. Signifikante Geschlechterunterschiede wurden nicht festgestellt. Die Ergebnisse würden jedenfalls "auf einen statistisch stabilen Zusammenhang zwischen Alkoholmissbrauch und depressiven Symptomen auf Bevölkerungsebene" hinweisen.