7 Mal angezeigt, aber nicht abgeschoben
Doppelmord: Die Strafakte Abdi S.
Nach dem Doppelmord an zwei somalischen Frauen am vergangenen Montag in Wien-Favoriten kam heraus, dass gegen den mutmaßlichen Doppelmörder Abdi S. (28) bereits wegen des Verdachts der Vergewaltigung ermittelt wurde -es gab insgesamt sieben Anzeigen gegen ihn. Nun stellt sich die Frage, wie intensiv die Ermittlungen tatsächlich geführt wurden.
Staatsanwaltschaft Linz stellte zwei Verfahren ein
1. Verfahren. Erstmals geriet der 28-jährige Somalier, der seit 2014 in Österreich ist, im August 2020 ins Visier der Polizei. Es standen die Vorwürfe der Vergewaltigung, des Missbrauchs einer behinderten Person sowie Körperverletzung und Sachbeschädigung im Raum. Die Staatsanwaltschaft Linz stellte das Verfahren ein.
2. Verfahren. Im Februar 2021 die nächste Anzeige wegen des Verdachts der Vergewaltigung und Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft Linz stellte erneut ein. "Weder hat es objektive Spuren gegeben, noch wurden die Aussagen der beiden Anzeiger als verlässlich eingestuft", hieß es von der Anklagebehörde. Das Asylaberkennungsverfahren wurde daraufhin gestoppt.
3. Verfahren. Am 14. August 2021 kam es zur dritten Anzeige wegen Vergewaltigung in Linz. Hier läuft das Verfahren noch. Jetzt wird auch wegen eines Doppelmordes gegen S. ermittelt. Die Frage muss zulässig sein, ob die Behörden trotz mehrerer Anzeigen wegen desselben Delikts nicht genau genug hinsahen.
Das Geständnis. Abdi S. befindet sich in U-Haft. Nach der Tat am 13. September legte der Beschuldigte ein eiskaltes Geständnis ab. Er gab gegenüber der Polizei an, über eine SMS erfahren zu haben, dass seine Ex-Frau und eines der späteren Opfer, Shukri A. (37), jemand Neuen kennengelernt hatte. Es kam zum Streit, bei dem der eifersüchtige Somalier zu einem Nudelholz griff und die 37-Jährige mutmaßlich tödlich verletzte. Ihre Freundin Ina Mohamed H. (35), die in der Nähe der Tatwohnung arbeitete, stattete ihrer Freundin an diesem Tag einen Besuch ab. Sie traf auf Abdi S., zu dem sie kein gutes Verhältnis hatte, weil sie ihrer Freundin immer wieder zur Trennung geraten hatte. Abdi S. gab an, sie mit einem Messer getötet zu haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Kind. Traurig: Die Tochter (4) von Abdi S. und Shukri A. verlor mit einem Schlag ihre beiden Eltern. Sie ist jetzt beim Jugendamt.