S1-Lückenschluss

Lobau-Autobahn: Politischer Schlagabtausch nach Baustart

02.04.2026

Der Startschuss für den S1-Lückenschluss sorgt für einen gewaltigen politischen Wirbel und spaltet die Meinungen in Wien zutiefst. Während die einen den Baubeginn feiern, sehen die anderen darin eine Gefahr für den Naturschutz.

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© APA/HANS KLAUS TECHT
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Nach dem jahrelangen Streit rund um den S1-Lückenschluss ist der Startschuss jetzt klammheimlich gefallen. Es ist das Projekt, das Wien spaltet wie kaum ein anderes - und jetzt wird tatsächlich ernst gemacht. Wie Asfinag-Sprecher Andreas Steindl am Dienstag gegenüber oe24 bestätigte, laufen seit dieser Woche die bauvorbereitenden Maßnahmen im Freilandabschnitt zwischen Groß-Enzersdorf und dem Knoten Süßenbrunn. Vorerst geht es um Container, Leitungen und sechs Zählstellen, um den Lkw-Verkehr genau unter die Lupe zu nehmen. Der echte Trassenbau soll dann 2027 folgen.

Sima: "Bauträger stehen in den Startlöchern"

Wiens Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) lässt keine Zweifel aufkommen, wie wichtig das Projekt für sie ist. "Wir wollen endlich mit der Entwicklung der Seestadt weitermachen und weiteren leistbaren Wohnraum schaffen", betonte die Stadträtin. Sie spart dabei nicht mit scharfer Kritik an der ehemaligen grünen Verkehrsministerin Leonore Gewessler, deren Baustopp das Projekt massiv verzögert habe. Der Nordteil der Seestadt friste mangels Anbindung ein "tristes Dasein".

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Die Stadträtin hielt unmissverständlich fest, dass ohne die Straße keine neuen Wohnungen kommen werden. "Die komplette Infrastruktur in der Seestadt ist vorhanden, die Bauträger stehen in den Startlöchern und warten seit Jahren darauf, endlich bauen zu können, es fehlt einzig die Straßenanbindung", so Sima. Neben der Seestadt seien auch das Hausfeld oder Am Haidjöchl an die Straßeninfrastruktur gebunden. Immerhin geht es hier um Wohnraum für insgesamt 60.000 Menschen, was etwa der Einwohnerzahl von ganz St. Pölten entspricht.

Nevrivy fordert Entlastung vom Transit

Auch Donaustadt-Bezirkschef Ernst Nevrivy (SPÖ) zeigt sich sichtlich erleichtert über den Baubeginn. Sein Bezirk wächst rasant und braucht dringend Entlastung. "Wenn wir leistbaren Wohnraum, Arbeitsplätze, Kindergärten und Schulen schaffen wollen, braucht es eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur", stellte Nevrivy fest. Sein Hauptargument bleibt die Lebensqualität, da der Transitverkehr endlich "außen herumgeführt werden muss, wie es in den meisten Großstädten Europas längst üblich ist".

ÖVP sieht "wichtigen Schritt"

Rückenwind kommt auch von der Wiener Volkspartei. Landesparteiobmann Markus Figl sieht im S1-Lückenschluss einen "wesentlichen Schritt für die Entlastung der Stadt". Verkehrssprecherin Elisabeth Olischar bezeichnete das Vorhaben als einen "zentralen Baustein, um Verkehrsströme besser zu lenken". Die ÖVP drängt nun darauf, das Projekt "verlässlich weiterzuführen", um den 22. Bezirk als Wohn- und Wirtschaftsstandort abzusichern.

Grüne: "Kniefall vor Betonlobby"

Ganz anders ist die Stimmung wenig überraschend bei den Grünen. Die Mobilitätssprecher Heidi Sequenz und Kilian Stark laufen Sturm gegen die Bagger. Sie werfen der Stadt und der Asfinag vor, Fakten zu schaffen, obwohl eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) noch gar nicht vorliegt. "Damit wird viel Geld verpulvert mit ungewissem Ausgang - denn der Bau könnte rechtswidrig sein", warnen die Grünen.

Die Autobahn ist für sie ein "sinnloses Milliardengrab" und ein "Kniefall vor der Betonlobby". Statt der erhofften Entlastung befürchten sie nur noch mehr Blechlawinen. "Pendlerinnen und Pendler aus dem Marchfeld würden wieder öfter ins Auto statt in die Öffis steigen - mehr Stau, Lärm und Abgase inklusive", so das grüne Duo abschließend. 

S1-Baustart für FPÖ "längst überfälliger Schritt"

Der Verkehrssprecher der Wiener FPÖ Toni Mahdalik, begrüßt die nun gestarteten Vorarbeiten für den ersten Abschnitt der Wiener Außenringschnellstraße S1 zwischen Groß-Enzersdorf und dem Knoten Süßenbrunn als "längst überfälligen Schritt für eine spürbare Entlastung der Wiener Bevölkerung". Wiens Straßen – allen voran die Südosttangente – seien am Limit. Scharfe Kritik übt Mahdalik an den jüngsten Protestaktionen gegen das Projekt: "Eine kleine, lautstarke Minderheit versucht erneut, wichtige Infrastruktur zu verhindern. Damit wird nicht nur die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Wien gefährdet, sondern auch die Mobilität hunderttausender Menschen."