Der milliardenschwere Lückenschluss der Wiener Außenring Schnellstraße (S1) beginnt zwischen Groß-Enzersdorf und Süßenbrunn. Während dort die Bagger auffahren versammeln sich die Gegner im Esslinger Jazzpark zum Protest gegen das umstrittene Großprojekt.
Jetzt wird es ernst mit dem Bau der S1 Lobau-Autobahn. Nach jahrelangen hitzigen Diskussionen rückt die Asfinag nun mit schwerem Gerät an. In dieser Woche starten offiziell die ersten Arbeiten für den S1-Lückenschluss. Den Anfang macht dabei der Freilandbereich zwischen Groß-Enzersdorf und dem Knoten Süßenbrunn.
Wiener Nordrand Schnellstraße (S2) im Bereich Knoten Süßenbrunn.
Für dieses erste Teilstück gibt es kein Zurück mehr. Alle Genehmigungen liegen rechtssicher auf dem Tisch und sind somit unanfechtbar. Die Kosten betragen rund 500 Millionen Euro. Bevor jedoch der erste Asphalt auf die Felder kommt, stehen die Anrainer im Mittelpunkt. In den kommenden Monaten werden sechs hochmoderne elektronische Zählstellen für Lkw errichtet. Damit will man den Baustellenverkehr ganz genau überwachen und die Belastung für die Nachbarschaft so gering wie möglich halten. Diese Maßnahme ist laut Asfinag eine von insgesamt 600 Auflagen aus der Umweltprüfung.
Projekt-Gegner rufen zur Demo auf
Während die Techniker das Überwachungssystem aufbauen, formiert sich auf der anderen Seite bereits der Widerstand. Die Gegner der Lobau-Autobahn haben ihren Protest keineswegs aufgegeben. Unter dem Motto "Au statt Autobahn" rufen diverse Initiativen für den 18. April zur großen Kundgebung auf. Um 15 Uhr versammeln sich Umweltschützer sowie Wissenschafter und Künstler im Esslinger Jazzpark in der Donaustadt. Sie warnen lautstark vor einer massiven Bodenversiegelung und einer veralteten Verkehrspolitik.
Bei der Demo zu Wort melden wird sich auch die EU-Abgeordnete Lena Schilling (Grüne).
Asfinag: "Betreten der Baustelle ist gefährlich"
Die Asfinag gibt sich trotz der angekündigten Demonstrationen gelassen. Jeder habe das Recht auf freie Meinungsäußerung. Man verweist aber auf den gültigen gesetzlichen Auftrag durch den Nationalrat. Gleichzeitig betont der Autobahnbetreiber im Hinblick auf mögliche Baustellen-Proteste die Wichtigkeit der Sicherheit auf dem Gelände. Das Betreten der Baustelle sei in manchen Abschnitten gefährlich. Man habe aber bereits im Vorfeld das Gespräch mit den Anrainern gesucht um mögliche Konflikte zu entschärfen, wie ein Asfinag-Sprecher gegenüber oe24 betont.
Der Baubeginn der S1 für den nördlichen Abschnitt zwischen Groß-Enzersdorf und Süßenbrunn steht an.
Der Zeitplan für das Mega-Projekt steht jedenfalls fest. Die Arbeiten an der eigentlichen Trasse beginnen voraussichtlich in einem Jahr. Bis 2032 soll dieser erste Abschnitt fertiggestellt sein. Das große Sorgenkind bleibt jedoch weiterhin der geplante Lobautunnel. Bei diesem zweiten Abschnitt sind noch immer mehrere Verfahren offen. Vor dem Jahr 2030 ist hier laut Asfinag-Vorstand Hartwig Hufnagl mit keiner endgültigen Entscheidung zu rechnen. Insgesamt kostet das gesamte Vorhaben rund 2,7 Milliarden Euro.