Gallup-Umfrage
78 Prozent wollen Reichensteuer
Der SPÖ-Plan einer „Reichensteuer“ – eine Steuer auf Vermögen ab 1 Mio. Euro – ist der Aufreger der Woche. Kanzler Faymann forderte sie in ÖSTERREICH – seitdem steht das politische Österreich Kopf: Die SPÖ sieht sie als Beitrag zur Gerechtigkeit, die VP als Angriff auf den Mittelstand.
Dabei will die überwiegende Mehrheit der Österreicher diese Steuer: Laut aktueller Gallup-Umfrage für ÖSTERREICH sprechen sich 78 % dafür aus. Dabei geht die Zustimmung quer durch alle Parteien: So sagen 83 % der SPÖ-Wähler Ja – und auch 55 % der ÖVPler, deren Parteiführung dagegen ist, wollen eine Vermögenssteuer für Reiche.
Auch bei der Frage nach einer Steuerentlastung sind die Österreicher auf der Seite des SPÖ-Kanzlers: Immerhin 71 % wünschen sich eine Steuerreform vor dem Jahr 2013.
Trotzdem hält Finanzministerin Maria Fekter in ÖSTERREICH dagegen, die Vermögenssteuer lehnt die ÖVP-Politikerin nicht nur ab, sie hält einen Kompromiss in dieser Frage schlicht für nicht möglich.
SPÖ: Steuersatz von 0,7 %
SPÖ-Staatssekretär Andreas Schieder würde die neue Steuer am liebsten schon mit 2012 einführen. Sein Plan: Bis zu 0,7 % Steuer auf Netto-Vermögensanteile über einer Million Euro. Was für Superreiche eine weitere satte jährliche Steuererklärung bedeuten würde: Red-Bull-Boss Didi Mateschitz (Vermögen 5 Mrd. €) müsste pro Jahr 35 Mio. € – zumindest theoretisch – Vermögenssteuer zahlen, die Familien Porsche und Piëch 237 Mio. €.
Fekter: "Bin sehr erbost über den Kanzler"
Maria
Schieder: "Steuer schon ab 1.1.2012"
ÖSTERREICH: Warum die neue Steuer?
Andreas Schieder: Weil es nur gerecht wäre, wenn die Vermögendsten des Landes auch etwas zur Bewältigung der Krise beitrügen und nicht nur die Arbeitnehmer.
ÖSTERREICH: Wie hoch wäre der Steuersatz?
Schieder: Der Kanzler hat einen Steuersatz zwischen 0,3 % und 0,7 % vorgeschlagen. Je nach Ausgestaltung ergäbe das einen Erlös von 500 Mio. bis zwei Mrd. €. Die Steuer könnte ab 1. 1. 2012 eingeführt werden – wenn wir uns mit der ÖVP einigen.
ÖSTERREICH: Müsste die Finanz nach Vermögenswerten schnüffeln?
Schieder: Betroffen wären nur 80.000 Personen. Außerdem sehen wir eine Selbstdeklaration vor, wobei Hausrat, wie zum Beispiel Schmuck, Antiquitäten oder ähnliches ausgenommen wären. (gü)