"Unter Druck setzen"
"Reifen aufgeschlitzt" - Ärztin im Pilnacek-Ausschuss packt aus
29.01.2026Die Frage, ob hinsichtlich der Obduktion Druck auf die Ärztin ausgeübt wurde, steht im Fokus. Die Ärztin schildert eindrücklich eine heftige Diskussion und "seltsame Vorkommnisse".
Der Untersuchungsausschuss zu den Ermittlungen nach dem Tod des ehemaligen Justiz-Sektionschefs Christian Pilnacek ist am Donnerstag mit der Befragung der am Fundort anwesenden Gemeindeärztin fortgesetzt worden. Sie berichtete, vor Ort die Totenbeschau durchgeführt und eine Obduktion angeregt zu haben. Letzteres habe zu einer heftigen Diskussion mit der Polizei geführt, die die Obduktion als nicht berechtigt ansah.
Ärztin zur Pilnacek-Obduktion: "Ich habe noch nie so eine Diskussion erlebt"
Am betreffenden Tag sei sie telefonisch aus ihrer Ordination gerufen worden, da eine Wasserleiche gefunden worden sei, so die Gemeindeärztin. Die Todesursache sei nicht ersichtlich gewesen, daher habe sie eine Obduktion anfordern wollen.
Mit den anwesenden Polizisten sei daraufhin eine Diskussion entstanden, da diese die Obduktion als nicht berechtigt ansahen. "Sicher zehn Minuten" habe die Auseinandersetzung gedauert, das gab es "in meinem ganzen Leben noch nie". Letztendlich sei das Verlangen aber an die Staatsanwaltschaft weitergegeben worden.
Reifen aufgeschlitzt
Nach den Vorfällen sei sie persönlich nicht unter Druck gesetzt worden, sagte die Ärztin: "Ich wurde auch nicht bedroht." Allerdings seien "komische Sachen" passiert, am Auto ihres Sohnes wurden etwa Reifen aufgeschlitzt. Außerdem wurden Fensterscheiben eingeschlagen.
FPÖ-Fraktionsführer Christian Hafenecker wollte wissen, weshalb die Website der Ärztin seit kurzem offline ist. Sie sagte, sie habe sie nicht gelöscht. Sie zeigte sich irritiert und sagte, sie wisse nicht, wer dahintersteckt und dass es das erste Mal seit Beginn ihrer Tätigkeit sei, dass ihre Website nicht geht.
Zuvor erzählte Hafenecker vor Journalisten: Die Ärztin sei das einzige medizinische Fachpersonal am Fundort des Leichnams gewesen und habe eine Obduktion angeregt. Die zentrale Frage an sie sei, ob Druck ausgeübt wurde, die Obduktion nicht durchzuführen. Diese hat einige Tage nach Pilnaceks Tod stattgefunden. Bei der zweiten Auskunftsperson handle es sich um die erste zuständige Staatsanwältin, so Hafenecker.
Für Unterhaltung bei der Verfahrensrichterin sorgte die Gemeindeärztin mit der Auskunft, sie habe kein Thermometer zur Messung der Wassertemperatur bei sich gehabt. Pilnacek war im Oktober 2023 tot in einem Seitenarm der Donau im niederösterreichischen Rossatz gefunden worden. Auch die am Mittwoch befragten Beamten hatten vom Fehlen dieses Geräts berichtet.
Krainer: Zusammenwirken zwischen Ärztin und Polizei "nicht total super"
Polizisten hätten am Vortag im U-Ausschuss behauptet, sie hätten keinen Druck auf die Ärztin ausgeübt, meinte SPÖ-Fraktionsführer Jan Krainer. Die Ärztin habe in der Vergangenheit wiederum gesagt, sie habe sich Druck ausgesetzt gefühlt. Das Zusammenwirken zwischen Ärztin und Polizei am Fundort sei "nicht total super" gewesen, schloss er. Zudem sah er einen Engpass in der Pathologie, weswegen Todesfälle mitunter nicht untersucht würden. Auch die Grüne Fraktionsführerin Nina Tomaselli ortete strukturelle Probleme. Sie kritisierte etwa, dass die Ausbildung für Tatortbeamte nur zwei Monate dauere und will diesbezüglich eine parlamentarische Anfrage an Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) stellen.
NEOS-Fraktionsführerin Sophie Wotschke interessierte sich für Pilnaceks Handy, das "ohne Not" noch am Todestag seiner Witwe übergeben worden sei. Hier gehe es bereits um potenzielle politische Einflussnahme. Der ÖVP-Abgeordnete Jakob Grüner geht indes davon aus, dass sich während der Befragungen viele Gerüchte in Luft auflösen werden. Er glaube nicht daran, dass ein Komplott aus Dutzenden Polizistinnen und Staatsanwälten hier etwas vertuscht habe.
Am Nachmittag ist eine Staatsanwältin aus Krems geladen.