Die Frage, ob hinsichtlich der Obduktion Druck auf die Ärztin ausgeübt wurde, steht im Fokus. Die Ärztin schildert eindrücklich: Noch nie habe sie so eine heftige Diskussion erlebt.
Im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu den Ermittlungen nach dem Tod des ehemaligen Justiz-Sektionschefs Christian Pilnacek werden am Donnerstag die am Fundort der Leiche anwesende Gemeindeärztin sowie eine Staatsanwältin aus Krems befragt. Im Zentrum stehe unter anderem das Thema der Obduktion des Leichnams und die Frage, ob vonseiten der Polizei Druck auf die Ärztin ausgeübt wurde, sagten U-Ausschuss-Mitglieder vor dem Start der Sitzung.
Die Ärztin zur Pilnacek-Obduktion: "Ich habe noch nie so eine Diskussion erlebt."
Am betreffenden Tag sei sie telefonisch aus ihrer Ordination gerufen worden, da eine Wasserleiche gefunden worden sei, so die Gemeindeärztin. Die Todesursache sei nicht ersichtlich gewesen, daher habe sie eine Obduktion anfordern wollen.
Mit den anwesenden Polizisten sei daraufhin eine Diskussion entstanden, da diese die Obduktion als nicht berechtigt ansahen. "Sicher zehn Minuten" habe die Auseinandersetzung gedauert, das gab es "in meinem ganzen Leben noch nie". Letztendlich sei das Verlangen aber an die Staatsanwaltschaft weitergegeben worden. Nach den Vorfällen sei sie persönlich nicht unter Druck gesetzt worden, sagte die Ärztin: "Ich wurde auch nicht bedroht." Allerdings seien "komische Sachen" passiert, am Auto ihres Sohnes wurden etwa Reifen aufgeschlitzt und Scheiben eingeschlagen.
Zuvor erzählte FPÖ-Fraktionsführer Christian Hafenecker vor Journalisten: Die Ärztin sei das einzige medizinische Fachpersonal am Fundort des Leichnams gewesen und habe eine Obduktion angeregt. Die zentrale Frage an sie sei, ob Druck ausgeübt wurde, die Obduktion nicht durchzuführen. Diese hat einige Tage nach Pilnaceks Tod stattgefunden. Bei der zweiten Auskunftsperson handle es sich um die erste zuständige Staatsanwältin, so Hafenecker.
Krainer: Zusammenwirken zwischen Ärztin und Polizei "nicht total super"
Polizisten hätten am Vortag im U-Ausschuss behauptet, sie hätten keinen Druck auf die Ärztin ausgeübt, meinte SPÖ-Fraktionsführer Jan Krainer. Die Ärztin habe in der Vergangenheit wiederum gesagt, sie habe sich Druck ausgesetzt gefühlt. Das Zusammenwirken zwischen Ärztin und Polizei am Fundort sei "nicht total super" gewesen, schloss er. Zudem sah er einen Engpass in der Pathologie, weswegen Todesfälle mitunter nicht untersucht würden. Auch die Grüne Fraktionsführerin Nina Tomaselli ortete strukturelle Probleme. Sie kritisierte etwa, dass die Ausbildung für Tatortbeamte nur zwei Monate dauere und will diesbezüglich eine parlamentarische Anfrage an Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) stellen.
NEOS-Fraktionsführerin Sophie Wotschke interessierte sich für Pilnaceks Handy, das "ohne Not" noch am Todestag seiner Witwe übergeben worden sei. Hier gehe es bereits um potenzielle politische Einflussnahme. Der ÖVP-Abgeordnete Jakob Grüner geht indes davon aus, dass sich während der Befragungen viele Gerüchte in Luft auflösen werden. Er glaube nicht daran, dass ein Komplott aus Dutzenden Polizistinnen und Staatsanwälten hier etwas vertuscht habe.