Brisante Dossiers
Die geheimen Fakten zum U-Ausschuss
In wenigen Tagen startet der Spitzel-Ausschuss. Was in den brisanten Akten steht. Welche Politiker bespitzelt wurden. Wer jetzt zittert.
Es ist „eine Frechheit, dass so viele Akten für den Spionage-U-Ausschuss fehlen“, wettern FPÖ-Mandatar Harald Vilimsky, der Grüne Peter Pilz und BZÖ-Mann Ewald Stadler unisono.
Am 26. August startet schließlich das Gremium seine brisante Arbeit: In diesem U-Ausschuss werden heikle Spionagefälle und „Bespitzelungen“ heimischer Politiker, die gleich drei Ministerien betreffen, untersucht. Bislang wurden nur wenige Dokumente geliefert. Der Großteil der Akten befindet sich in einem geschützten Raum im Parlament.
Die geheimen Unterlagen des Innenressorts
Selbst die Abgeordneten
dürfen die Unterlagen nur unter Aufsicht sichten. ÖSTERREICH-Recherchen
ergeben:
-Das Innenministerium – konkret das Büro für interne Angelegenheiten (BIA) – und das Justizministerium haben den 190 Seiten Akt bezüglich der Datenrückerfassung von BZÖ-Mandatar Peter Westenthalers Handy übermittelt. Darin enthalten: Die anonyme Anzeige, die angibt, dass Westenthaler „illegale Informationen seitens der Polizei“ erhalten habe. Und das Ergebnis, wonach „Westenthaler mit keinem Polizisten telefoniert“ habe.
-Ausständig sind noch die Ermittlungen zu der „Steuerung von Abgeordneten“ – konkret von FPÖ-Mann Harald Vilimsky – durch den kasachischen Geheimdienst. Das BIA hat nur die Akten bezüglich der SP-Leute Toni Gaal und Karl Blecha geschickt.
Inhalt: Gaal hatte wiederholt mit einem Agenten bezüglich des von Kasachstan gesuchten Ex-Botschafters Aliyev Kontakt gehabt.
Abwehramt-Akten kommen am Freitag
Noch nichts geliefert hat
bislang das Verteidigungsministerium. Der U-Ausschuss will hier prüfen, ob
die zwei Militärgeheimdienste – Heeresabwehramt (HAA) und
Heeresnachrichtendienst (HNA) – österreichische Politiker „bespitzelt“
hatten.
Im ÖSTERREICH-Interview kündigt SP-Verteidigungsminister Norbert Darabos (siehe Interview rechts) erstmals an: „Am Freitag werden alle Akten, die zum Untersuchungsgegenstand des U-Ausschusses gehören, dem Parlament übermittelt.“ Und Darabos verspricht „volle Kooperation“. Die Geheimdienstdossiers haben es freilich in sich.
Politikernamen in den Geheimdienstdossiers
Darabos selbst sagt,
dass „keine österreichischen Politiker bespitzelt“ worden seien. In den
Unterlagen seiner Geheimdienste stehen aber „Namen von Politikern, die bei
Demonstrationen teilgenommen hatten“.
Interessant ist, dass das Parlament bislang noch nicht die internen Ermittlungsergebnisse des Verteidigungsressorts wegen „Datenabflüsse an die FPÖ durch die Militärgeheimdienste“ angefordert hat. Darabos wäre bereit, diese brisanten Dokumente zu liefern.
ÖSTERREICH-Recherchen ergeben jedenfalls, dass vier Agenten ab 2001 die FPÖ mit Informationen beliefert hatten. Konkret handelt es sich unter anderem um den Ex-FP-Mann Ewald Stadler, der heikle Infos über Politiker und die Eurofighter erhalten hatte. Im U-Ausschuss wird Darabos seine Geheimdienstchefs der Amtsverschwiegenheit entheben.
Ihre Aussagen dürften dann einige Politiker in Bedrängnis bringen...