Große Empörung

Entschädigung: Kirchen-Opfer wehren sich

© Niesner

Die Empörung unter Opfern kirchlicher Gewalt ist groß. Die Lösung, die die Klasnic-Kommission präsentierte, ist für sie nicht tragbar.

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Am Freitag gab die offizielle Opferschutz-Anwältin Waltraud Klasnic die Höhe der finanziellen Entschädigung für Opfer von Kirchen-Missbrauch bekannt – je nach Delikt von 5.000 Euro für leichte Fälle bis hin zu maximal 25.000 Euro für wiederholte Vergewaltigung.

Gegenüber ÖSTERREICH kritisieren Missbrauchs-Opfer diese Lösung scharf. Michael S., der jahrelang im Stift Kremsmünster misshandelt wurde, sagt im Interview (siehe rechts): „Im Vergleich zu anderen Ländern ist diese Entschädigung lächerlich. Das ist viel zu wenig Geld.“ Damit spricht er Tausenden Missbrauchs-Opfern in Österreich aus der Seele. Tatsächlich sind die Summen in anderen Ländern viel höher: In Irland etwa zahlte die Kirche im Schnitt 65.000 Euro für die Opfer.

„Falscher Ansatz“.
Doch auch die Art und Weise der Opfer-Kommission stört die Betroffenen. „Man kann das nicht katalogisieren, das ist der falsche Ansatz. Jeder Fall muss individuell und als Einzelfall betrachtet werden“, sagt Friedrich Schwarz, Missbrauchs-Opfer in Wilhering. Er meint, für die Opfer wäre es viel besser, sich der „Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt“ anzuschließen.

„Geste ist eine Frechheit.“
Unter diesem Titel versucht der Wiener Anwalt Werner Schostal, Opfer gegenüber der Kirche zu vertreten. Er sagt: „Es ist eine Frechheit, dass die Kirche die Entschädigung als Geste sieht. Die Priester sind Täter, es geht hier nicht um eine Wohltat.“ Er versteht nicht, dass die Kirche nur ein Drittel der gerichtlich vergleichbaren Werte zahlen will. Und: „Es gibt viele Einzelfälle und Delikte, die nicht so einfach in Kategorien zu pressen sind.“ Lenkt die Kirche nicht ein, droht er weiter mit Klage.