"An den roten Flohzirkus!"
Gerald Grosz: Sein Mail an die SPÖ
An den roten Flohzirkus!
Die SPÖ gleicht einer Hydra. Jeder Kopf verfolgt eigene, zu den anderen Köpfen unterschiedliche Ziele. Da wäre Andreas Babler, formeller SPÖ-Chef dank dem mathematischen Parteitagsdebakel, wo die Sozialdemokratie unter Beweis gestellt hat, nicht einmal bis 600 zählen zu können. Er schließt eine Koalition nach der nächsten Nationalratswahl sowohl mit der ÖVP als auch mit der FPÖ aus. Bis ins Gemäuer des Traiskirchner Gemeindeamtes, also der neuen Löwelstraße für ganz Arme, dürfte sich noch nicht herumgesprochen haben, dass die SPÖ mit ihren mageren und zugleich stagnierenden 22 Prozent in den Umfragen keine Alleinregierung stellen wird und die GrünInnen mit 10 Prozent Wählerungunst auch keinen entscheidenden Beitrag zur absoluten linken Mehrheit in Österreich leisten können. Die Neos haben ja für sich eine Koalition mit der SPÖ bereits ausgeschlossen.
Das Tiroler Pendant zum roten Traiskirchner Unglücksfalken ist der rote Flintenschorsch aus Innsbruck. Dem ist alles egal, der koaliert formell mit der ÖVP in Tirol und als überzeugter Antifaschist rein privat natürlich mit einer Vertreterin der vermeintlichen italienischen Faschisten. Den Tiroler Schützen kommt übrigens bei letzterer „Koalition“ das Grausen und in Südtirol hat Georg Dornauer Einreiseverbot. Also der würde auch die blaue Krot entgegen der Vranitzky-Doktrin, ja der lebt trotz anderslautender Meldungen noch immer, schlucken. Wie auch der oberste steirische Genosse Lang, der eine Koalition mit der FPÖ „sicher nicht“ ausschließt. Was auch klar ist: Denn sein Landeshauptmann Drexler, der Sympathieträger aus Graz, balgt sich demnächst mit der KPÖ um den dritten Platz. Und nachdem Lang im Gegensatz zu seiner steirischen Kollegin Grubesa rechnen kann, rechnet er sich den Machterhalt nur mit den erstarkten Freiheitlichen in der Steiermark aus.
Das Neusiedler-Sprachtalent Hans-Peter Doskozil, ja auch den gibt es noch immer, hat eine Koalition mit der FPÖ ausgeschlossen. Man muss ihm zugestehen, dieses Versprechen ist schon vier Monate alt und diente ja ausschließlich dazu, die linken Parteitagsdelegierten hinter sich zu scharen, die aber Richtung Babler ausgeronnen sind. Und frei nach Adenauer, den Doskozil vielleicht vom Hörensagen kennt, interessiert ja das rote Geschwätz von gestern nicht einmal die Burgenländer.
Kärntens Kaiser hingegen leckt noch immer seine Wunden. Es ist auch ein Wunder, dass ein Spitzenkandidat nach dem Verlust von einem Drittel der Wähler noch immer den Landeshauptmann mimt. Mangels parteiinterner Alternativen dürfte er ebenso alt im Amt werden, wie die Legende vom Lindwurm. Michael Ludwig hingegen schließt eine Koalition mit der FPÖ aus, selbst dann, wenn die Wiener Freiheitlichen nach der nächsten Landtagswahl die ÖVP überholen und auf Platz 2 ziemlich gefährlich an die SPÖ herankommen. Aber die Wiener Roten hat Demokratie noch nie interessiert. In erster Linie ist denen der Wähler egal. Wenn der nicht wählt, wie es der aufgedunsene Rathausmann will, wird der Wähler einfach ausgetauscht. Der Brunnenmarkt in Wien und sonstige ausgewählt aufgegebene Orte und Plätze des täglichen Einzelfalls lassen grüßen.
Und so werden wir mindestens ein Jahr noch mit den unterschiedlichen Antworten auf ein und dieselbe Frage durch ausgewählte SPÖ-Funktionäre gequält: Wie hältst Du es mit der FPÖ. Derweil dankt die FPÖ täglich mit einem „Roter unser“ für den kostenlosen Wahlkampfeinsatz.