Werner Faymann:

"Streiten in der Regierung war Fehler"

07.01.2014

Kanzler Werner Faymann im Interview zum Regierungs-Start 2014.

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© TZ ÖSTERREICH/Singer
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Das ist die – positive – Überraschung des neuen Jahres: Kanzler Faymann kündigt einen Kurswechsel in der Regierung an. Streiten und Konfrontation sind – angeblich – Vergangenheit, jetzt ist „Teambuilding“ angesagt. Künftig soll die Koalition „wie ein Tennis-Doppel“ auftreten. Faymann: „Wir haben alle Chancen gemeinsam und keine gegeneinander.“

Schon die Regierungs-Klausur nächste Woche soll den neuen Stil zeigen: Alle Auftritte erfolgen künftig gemeinsam. Auch die neue harte Linie bei Beamten und Budget wird gemeinsam vertreten. Für die Regierungs-Klausur kündigt Faymann eine „Ini­tiative für Wachstum“ an. Voll Harmonie mit der ÖVP.


Kanzler Faymann: "Wir ändern den Stil in Richtung einer wirklich teamorientierten Regierung"

ÖSTERREICH: Was sind Ihre Ansagen für die Regierungs-Klausur nächste Woche?
Werner Faymann: Wichtig bei dieser Klausur wird Teambuilding sein. Wir brauchen ein Budget, das völlig auf Kurs ist Richtung Nulldefizit. Und wenn diese Richtung stimmen soll, braucht man eine Mannschaft, die in dieselbe Richtung geht.

ÖSTERREICH:
Heißt das: Schluss mit dem Streiten in der Regierung?
Werner Faymann: Unsere Devise für die zweite Amtszeit ist: Wir haben alle Chancen gemeinsam und keine gegeneinander. Das ist wie beim Doppel im Tennis – es gewinnt nur jenes Paar, das gut aufeinander eingestellt ist.

ÖSTERREICH: Hören wir richtig: Die Regierung ändert tatsächlich den Stil?
Werner Faymann: Jawohl, wir ändern den Stil in Richtung einer wahrnehmbar team­orientierten Mannschaft.

ÖSTERREICH: War der ständige Streit bisher ein Fehler?
Werner Faymann: Richtig, das war ein Fehler, weil es einige gibt, die kein Interesse an einer gut funktionierenden Regierung haben – die Opposition, aber teilweise auch die Medien, die in ihrem Konkurrenzkampf natürlich immer die Ersten sein wollen, die jeden Streit berichten.

ÖSTERREICH: Sie sind in die Medienfalle gelaufen?
Werner Faymann: Wir sind zu oft ins Medien-Abseits und in die Oppositionsfalle gelaufen.

ÖSTERREICH: Wie sehen Sie die Änderung, dass Vize Spindelegger jetzt selbst den Finanzminister macht?
Werner Faymann: Sehr positiv, weil wir in Zukunft viele Fragen auf schnellstem Weg entscheiden können – ohne die Frage: Was wird die Finanzministerin dazu sagen?

ÖSTERREICH:
Wie groß ist der Sparzwang?
Werner Faymann: Sehr groß. Es ist eine harte Zeit für jede Regierung. Dieser Finanzminister hat das Schicksal, dass er nichts zu verteilen und zu verschenken hat.

ÖSTERREICH: Heißt: Sie werden bei den Beamten hart bleiben? Keinen Cent mehr als die angebotenen 1,7 % ?
Werner Faymann: Beim Verhandeln gibt es immer einen Spielraum – und wir sind verhandlungsbereit. Aber wir können nur ausgeben, was wir haben.

ÖSTERREICH:
Wäre nicht gerade jetzt mehr Geld für Wachstum notwendig?
Werner Faymann: Eine Ini­tiative für mehr Investitionen, aber auch gegen die Arbeitslosigkeit wird es bei der Regierungsklausur geben.

ÖSTERREICH: Fliegen Sie wirklich zu den Olympischen Spielen nach Sotschi? Sie werden dort ziemlich allein sein. Kaum ein Regierungschef kommt.
Werner Faymann: Erstens: Jawohl, ich fliege, und ich habe überhaupt keine Sorge, dass ich dort allein sein werde. Ich fliege ja nicht wegen anderer Regierungschefs hin – die sehe ich ohnehin regelmäßig in Brüssel –, sondern weil ich die Leistungen unserer Sportlerinnen und Sportler wertschätze. Ich will ein Kanzler sein, der sich zum Sport bekennt.

ÖSTERREICH:
Apropos: Was wird aus der Olympia-Initiative, die nach London versprochen wurde?
Werner Faymann: Die kommt. Minister Klug ist der Garant für eine Sport-Offensive.

Interview: Wolfgang Fellner

 

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