Laute Kritik

Kopftuch-Verbot an Schulen: "Alles auf Lehrer abgewälzt"

03.03.2026

Große Kritik an der Umsetzung des Kopftuch-Verbots an Schulen. Gewerkschaft und Grüne gegen Bildungsminister Wiederkehr.

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© APA/TOBIAS STEINMAURER
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Ein aktuelles Rundschreiben des Bildungsministeriums sorgt für Stunk. Darin heißt es, dass Lehrer Verstöße gegen das ab Herbst geltende Kopftuchverbot exekutieren sollen, andernfalls drohen ihnen Sanktionen wegen der Verletzung der Dienstpflicht.

Lehrergewerkschaft tobt

Damit mache das Ministerium Pädagogen faktisch zu Vollzugsorganen, kommt aus der Lehrerschaft bereits deutliche Kritik. Die Lehrer hätten gar nicht die Möglichkeit, dass alles zu kontrollieren und zu bestrafen. Allein der Bürokratie-Aufwand sei enorm. Jetzt schalten sich auch die Grünen ein.

"Irrsinn" 

Die Bildungssprecherin der Grünen, Sigi Maurer, findet dafür klare Worte: „Es ist ein bildungspolitischer Irrsinn, dass Minister Wiederkehr Lehrerinnen und Lehrer unter Sanktionsandrohung zur Exekution des Kopftuchverbots zwingt. Statt die dramatische Personalnot und fehlende Ressourcen endlich anzugehen, produziert er neue Konflikte und lädt sie auf dem Rücken der Pädagog:innen ab.“

Große Belastung

Schon jetzt seien Lehrkräfte wegen des fehlenden Unterstützungspersonals durch immer mehr administrative und soziale Aufgaben massiv belastet. „Wenn das so weitergeht, bleibt für das Wesentliche, nämlich guten Unterricht, bald keine Zeit mehr. Lehrkräfte müssen heute schon Administrator:innen, Sozialarbeiter:innen und Psycholog:innen sein. Wiederkehr will ihnen jetzt auch noch die Rolle der Polizist:innen zuschieben“, tobt Maurer. Besonders irritierend sei, dass ausgerechnet die NEOS diesen Kurs umsetzen. „Wer ständig von Chancen, Freiheit und Selbstbestimmung spricht, darf Pädagog:innen nicht zu Hilfssheriffs im Klassenzimmer degradieren. Wer soll den Kindern die Flügel heben, wenn die Lehrkräfte als Polizist:innen auftreten müssen?“

Interventionsteams gegen Kopftuch bei kleinen Mädchen

Gegen das Kopftuch bei kleinen Mädchen wollen die Grünen "mobile Interventionsteams, die Schulen bei Bedarf über die Bildungsdirektionen anfordern können." Die sollen immer dann kommen, "wenn es zu kulturellen oder religiösen Spannungen kommt. Speziell geschulte Expert:innen würden vermitteln, Konflikte lösen und das Lehrpersonal entlasten. Das wäre verantwortungsvolle Politik“, sagt Maurer. 
 

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