Brutales Duell

Macht-Kampf um den ORF

© APA/ORF/THOMAS RAMSTORFER - www.kernmayer.com - Fotomontage
Wie von ÖSTERREICH angekündigt, hat Roland Weißmann, seines Zeichens Vize-Finanzchef des ORF, seine Kandidatur als ORF-Generaldirektor bekannt gegeben.
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Gestern erklärte er, dass er den ORF „zukunftsfit“ machen wolle. Damit heißt das Duell um den ORF nun Weißmann gegen den amtierenden ORF-General Alexander Wrabetz.

„Auf den ersten Blick ist der ORF gut aufgestellt, auf den zweiten Blick werden die Herausforderungen deutlich. Wir verlieren an Relevanz bei den Jungen, haben zu wenig passende Angebote“, meinte der gebürtige Oberösterreicher, der beim ORF Niederösterreich sozialisiert wurde.

Weißmann hat Mehrheit im ORF-Stiftungsrat

Ticket. Weißmann gilt als Favorit der ÖVP für den Generaldirektorenposten. Er kann voraussichtlich mit einer Mehrheit im Stiftungsrat rechnen. Er nahm an Treffen des bürgerlichen „Freundeskreises“, der mit bürgerlichen Unabhängigen auf eine Mehrheit im Stiftungsrat kommt, teil, und gilt als gut vernetzt.

2012 wurde Weißmann Chefproducer Fernsehen, womit er das größte Programmbudget im ORF verwaltet. Seit 2020 ist Weißmann zudem dritter Geschäftsführer von ORF.at und Projektmanager für den geplanten ORF-Player.

Roland WEISSMANN im Interview: "Die Mitarbeiter müssen mich nicht lieben"

© ORF

ÖSTERREICH: Warum haben Sie sich erst jetzt für Ihre Kandidatur entschieden?

Weißmann: Es war der Zeitpunkt, der für mich persönlich gepasst hat. Von allfälligen anderen Kandidaten ­lasse ich mich dabei nicht ­beeinflussen.

ÖSTERREICH: Waren Sie überrascht von der Kandidatur von Lisa Totzauer?

Weißmann: Ich bin mit Lisa Totzauer seit Jahrzehnten in gutem Kontakt. Ich habe von ihrer Kandidatur nichts gewusst, war aber auch nicht überrascht.

ÖSTERREICH: Haben Sie Angst, als ÖVP-Kandidat abgestempelt zu werden?

Weißmann: Man soll mich an meiner Arbeit messen. Ich war jetzt über zehn Jahre nicht im journalistischen Bereich. Es liegt mir aber auch fern, in journalistische Bereiche einzugreifen. Ich führe keinen Polit-Wahlkampf.

ÖSTERREICH: Totzauer gilt als Wunschkandidatin der Belegschaft, wie wollen Sie diese für sich gewinnen?

Weißmann: Ich habe ein ­klares Konzept für eine gute Zukunft des ORF. Die Mitarbeiter müssen mich nicht ­lieben, aber sie sollen das Konzept verstehen und auch mittragen.

ÖSTERREICH: Was sind die zentralen Punkte Ihrer jetzigen Kandidatur?

Weißmann: Der ORF muss digitaler, jünger und diverser werden. Wir brauchen einen Kulturwandel im Haus. Die Objektivität und Unabhängigkeit müssen dabei verteidigt werden.

(rei)

Umfrage: 79 Prozent für Volksbegehren

In einer aktuellen ÖSTERREICH-Umfrage von Research Affairs gibt es heftige Kritik am ORF:

  • Nur noch 50 % sind mit dem ORF als öffentlich-rechtlichem Programm zufrieden.
  • Nur mehr 12 % halten den ORF noch für politisch unabhängig – 59 % kritisieren bereits, der Einfluss der Regierung und der Parteien im ORF sei viel zu hoch.
  • Sensationelle 79 % würden deshalb ein neues Volksbegehren für einen von der Regierung unabhängigen ORF unterschreiben.
  • Brutal auch: 76 % fordern die Abschaffung der Zwangsgebühren sowie einen Sparkurs im ORF samt Finanzierung aus dem Budget.
  • Freilich: 55 % sind mit der Arbeit von ORF-Generaldirektor Wrabetz an der ORF-Spitze ­zufrieden – selbst bei den ÖVP-Wählern sind es 64 % .
  • Aber: Nur 44 % sind für die Wrabetz-Wiederwahl, 56 % wollen einen Generationenwechsel im ORF. Aber 51 % der ÖVP-Wähler, 60 % der SPÖ-Wähler und sogar 62 % der Grünen würden Wrabetz wiederwählen. Nur die FPÖ-Wähler sind zu 77 % gegen ihn.
  • Trotzdem: Im Duell mit Weißmann und Totzauer würde Wrabetz klar gewinnen. Nur 7 % würden Weißmann wählen, 12 % Totzauer, aber immerhin 18 % Wrabetz. Freilich: 64 % der Österreicher haben keine Ahnung, wer der bessere Kandidat ist.
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