"Will ein Zeichen setzen"
Mückstein will nach Angelobung impfen
Montag soll der designierte Nachfolger von Rudolf Anschober offiziell von Bundespräsident Alexander Van der Bellen in der Hofburg als Gesundheitsminister angelobt werden.
"Zweites geimpftes Regierungsmitglied"
Neben Bildungsminister Heinz Faßmann wird Mückstein damit das zweite geimpfte Regierungsmitglied sein. Als Gesundheitsminister soll er sich am Mittwoch bei einer Plenarsitzung dem Parlament vorstellen.
Derzeit dürfte der grüne Allgemeinmediziner an einem eigenen Team basteln und dabei auch bei ehemaligen Kabinettsmitarbeiterinnen der verstorbenen Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser angeklopft haben.
Ja zu Lockdown
Der 46-Jährige will aber gleich ein Zeichen setzen und auch als Minister selbst Menschen – vorzugsweise Risikogruppen – impfen.
Der Gesundheitsminister findet die Lockdown-Verlängerung in Wien und Niederösterreich richtig. Er muss jetzt danach trachten, eine gemeinsame Linie in der Regierung und mit den Ländern zu finden. Telefonisch hat er sich bereits bei den Landeshauptleuten vorgestellt. Es kommt einiges auf ihn zu.
Mückstein im Interview mit INSIDER: "Der aktuelle Lockdown wurde zu spät angesetzt"
INSIDER: Die Intensivstationen sind voll. Haben wir die Gefahr unterschätzt?
Wolfgang Mückstein: Es wurde zu spät reagiert. Von 100 Patienten, die sich anstecken, kommen fünf ins Spital und einer auf die Intensivstation. Da kann man sich bei 2.000 bis 3.000 Neuinfektionen pro Tag ausrechnen, bis wann die Intensivstationen voll sind. Und das alles vor dem Hintergrund der britischen Variante, die um 40 % ansteckender ist und in Wien mittlerweile für bis zu 90 % der Infektionen verantwortlich ist. Und die Patienten werden immer jünger, sind um die 40 Jahre alt.
INSIDER: Wie begegnen Sie Corona-Leugnern?
Mückstein: Ich kann es verstehen, dass Menschen oft nur so mit dieser großen Belastung umgehen können, indem sie diese einfach leugnen. Aber dem Virus ist das egal. Je weniger man sich an die Regeln hält, etwa Abstand halten, Maske tragen, weniger Leute treffen, umso leichter tut sich das Virus. Man muss mit Aufklärung arbeiten. Wir versuchen, die Menschen zu motivieren, sich an die Regeln zu halten.
INSIDER: Die Corona-Zahlen bleiben hoch. Was haben wir falsch gemacht?
Mückstein: Für die 3. Welle, in der wir uns befinden, wurde der Lockdown zu spät angesetzt. Wahrscheinlich drei bis vier Wochen zu spät. Wir werden das Plateau in zwei bis drei Wochen erreicht haben. Dann wird es mit zunehmend geimpften und genesenen Menschen hoffentlich einen relativ guten Sommer geben.
Interview: H. Brodnig