Politik

NEOS-Hearing zu ORF-Wahl: Erste Absagen und scharfe Kritik

29.05.2026

Dass die NEOS im Rahmen einer Parteiveranstaltung ein Hearing zur ORF-Wahl abhalten, sorgt jetzt für Kritik - und der Absage von zwei Kandidatinnen.

Zur Vollversion des Artikels
 
Zur Vollversion des Artikels

Am 2. Juni planen die NEOS eine brisante Veranstaltung, konkret lädt das "NEOS Lab" zu einem "öffentlichen Hearing für Bewerber:innen für die Funktion der ORF-Generaldirektorin bzw. des ORF-Generaldirektors ins Wiener Funkhaus ein". Ausgerechnet die NEOS, die ja seit Jahr und Tag den Parteieneinfluss anprangern und eine Initiative zur Entpolitisierung des Rundfunks gestartet hatten, wollen die besten Kandidatinnen und Kandidaten bei einer Parteiveranstaltung finden.

Zwei Kandidatinnen sagen schon einmal ab

 

Das sorgt in Polit-Kreisen nicht nur für Kopfschütteln, sondern auch für Absagen. ORF III-Chefin Kathrin Zierhut - sie hat sich vor einigen Tagen für den Chefposten beworben - teilte oe24 mit: "Stimmt, ich habe abgesagt." Und auch Exxpress-Chefin Eva Schütz wird nicht zu den Pinken hingehen. "Ich glaube, es wäre das völlig falsche Signal, so ein Hearing ausgerechnet im Rahmen einer Parteiveranstaltung abzuhalten", sagt sie.

"Das ist eigentlich skandalös"

© oe24.TV

Noch direkter formuliert das der von der FPÖ nominierte Stiftungsrat Peter Westenthaler gegenüber oe24: "Ein wirklich unabhängiger Kandidat für den ORF-Chefposten kann niemals an einer Parteiveranstaltung und schon gar nicht im Vorfeld der Wahl teilnehmen. Damit macht er sich massiv unglaubwürdig. Die Neos sprechen von einem unabhängigen ORF und wollen gleichzeitig Kandidaten parteipolitisch vereinnahmen. Das ist eigentlich skandalös! Offenbar will man damit knapp vor der Wahl unabhängige Stiftungsräte parteipolitisch beeinflussen. Man darf gespannt sein, ob auch die Neos-Stiftungsräte an dieser Parteiveranstaltung teilnehmen."

Und auch der SPÖ-nahe Vorsitzende des Stiftungsrates, Heinz Lederer, ist zumindest in diesem Fall mit Westenthaler einer Meinung: "Wasser predigen, Wein trinken. Ausgerechnet jene Partei, die par excellence für die Entpolitisierung des ORF eintritt, hält ein Hearing als Parteiveranstaltung ab."

Die NEOS - so erklärte deren Mediensprecherin Henrike Brandstötter - wollten jedenfalls sechs der insgesamt 76 Kandidatinnen und Kandidaten einladen, nämlich jene, die die Ausschreibungskriterien am ehesten erfüllen. Konkret seien das Ex-APA-Chef Clemens Pig, die Medienmanager Markus Breitenecker und Johannes Larcher, ORF-Journalistin Lisa Totzauer - aber eben auch Schütz und Zierhut. Auf letztere müssen die Pinken jetzt wohl verzichten.

© APA/HELMUT FOHRINGER

Pinke kontern: "Wir sorgen für Transparenz"

Brandstötter findet die Kritik übrigens "völlig absurd": Die NEOS würden mit dem Hearing für jene Transparenz sorgen, die es bei der ORF-Wahl eben nicht gebe: "Alle, die Bevölkerung, die Zivilgesellschaft können sich dann ein Bild über die Kandidatinnen und Kandidaten machen."