Kampf um Wählerstimmen

TV-Duelle: Jetzt wird's richtig brutal

08.09.2013

HC gegen "Spindi" um Platz 2. Rot gegen Grün: Emotionen statt Kuscheln.

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© TZ ÖSTERREICH/Singer/Kernmayer, Fürtbauer
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Diese beiden Kontrahenten werden sich am Montag wahrlich nichts schenken: ÖVP-Chef und Vizekanzler Michael Spindelegger überraschte bislang in den Konfrontationen mit einem angriffigen Stil. Diesen will er auch heute Abend im Duell mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache beibehalten. „Einige emotionale Momente werden dabei sein“, kündigt sein Sprecher an.

Strache: "Spindelegger ist nicht authentisch"
Klar ist: Der Vizekanzler ist derzeit „entfesselt“ – Strache muss es also gelingen als Jäger und nicht als Gejagter zu punkten – und voll auf Angriffsmodus schalten. Im Interview mit ÖSTERREICH gibt er sich gelassen: „Spindelegger ist nicht authentisch und spielt eine künstliche Rolle.“ Dafür brauche er „keine großartige Vorbereitung“. Das könnte ein Fehler sein.

Polit-Experte: "Es wird klare Grenzziehungen geben"
„Die ÖVP wird angreifen, weil sie kein Interesse an Koaltions-Gerüchten hat und daher wenig freundlich sein“, analysiert Politikexperte Thomas Hofer. „Es wird klare Grenzziehungen geben.“ Spindelegger rät er, offensiv zu bleiben. Er dürfe sich nicht auf ein Duell um den 2. Platz einlassen. Und Strache müsse nach dem defensiven Auftreten gegen Glawisch­nig endlich wieder Gas geben.
 

"Für 'Spindi' brauche ich keine große Vorbereitung"

ÖSTERREICH: Wie bereiten Sie sich auf das TV-Duell mit Spindelegger vor?
Heinz-Christian Strache: Ich glaube, da braucht es keine großartige Vorbereitung. Spindelegger ist nicht authentisch und spielt eine künstliche Rolle. Er versucht, seine Verantwortlichkeit wegzuwischen für die vielen Fehlentwicklungen.

ÖSTERREICH: Was werfen Sie ihm vor?
Strache: Wer hat denn die österreichischen Pensionisten verraten? Wer hat die ­österreichischen Arbeitnehmer und kleineren und mittleren Unternehmer verraten? Wer hat die Familien verraten, wenn nicht die ÖVP und die Sozialdemokraten? Das muss man sichtbar machen.

ÖSTERREICH: Sie wollen immer noch Kanzler werden?
Strache: Ich bin der einzige Kanzlerherausforderer.

ÖSTERREICH: Sie führen einen relativ zahmen "Nächstenliebe"-Wahlkampf. Kommt da noch mehr?
Strache: Wir haben einen Zulauf wie nie zuvor. SPÖ, ÖVP und Grüne haben verloren bei den letzten bundespolitischen Wahlen. Ich verstehe ihren Neid. Das führt offenbar sogar dazu, dass man sich aufregt, wenn ich mit einer Badehose schwimmen gehe. Wahrscheinlich ist Häupl neidig, weil ihm selbst keine Badehose mehr passt.
 

Rot gegen Grün: Emotionen statt Kuscheln

„Faymann und Glawischnig müssen sich bemühen, ja nicht zu viele Gemeinsamkeiten zu zeigen“, analysiert Politikexperte Thomas Hofer im Vorfeld.

Bedeutet im Klartext: Bei dem heutigen TV-Duell werden beide Grenzen ziehen müssen. Denn – so der Politexperte – sollten sich der SPÖ-Chef und die Grünen-Frontfrau zu gut verstehen, würde das der ÖVP und der FPÖ in die Hände spielen. Sie würden vor einer „rot-grünen Koalition im Werden“ warnen – Motivation für schwarze und blaue Wähler. Hofers Tipp: Glawischnig muss den offensiven Stil, den sie gegen Strache hatte, weiterführen.

Hofers Experten-Tipp für Kanzler Faymann: Er muss Kanten zeigen.

Dass er darin ein Meister sein kann, hat er bereits bewiesen – er geht mit dem Rückenwind der vergangenen TV-Duelle ins Rennen. Glawischnig hingegen muss zeigen, dass ihre gelungene Wahlwerbung auch dem Realitätstest standhalten kann. Fazit: Es wird sicher ein brutales Polit-Duell.


 
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