"Ich wollte ein großes Spiel aufziehen"

Hochegger im Interview

"Ich wollte ein großes Spiel aufziehen"

Der berühmteste Lobbyist Österreichs über seine Rolle damals und sein Leben jetzt.

Der Telekom-Prozess um die mutmaßlich illegale Parteispende der Telekom an das BZÖ 2006 wird morgen, Montag, fortgesetzt. 960.000 Euro flossen von der Telekom ans BZÖ, die Anklage vermutet, dass sich das Unternehmen damit eine Gesetzesänderung kaufen wollte.

„Kronzeuge lügt“
Der mitangeklagte Lobbyist Peter Hochegger sorgt jetzt für einen Knalleffekt: Er hat den Kronzeugen Gernot Schiesz­ler wegen Verleumdung und falscher Beweisaussage geklagt. Schieszler hatte ausgesagt, Hochegger habe seinerzeit die Politik kontaktiert und ihm dann mitgeteilt, die betreffende Gesetzesänderung koste eine Million Euro. „Das ist eine Lüge“, so Hochegger zu ÖSTERREICH. „Ich hatte damit nichts zu tun.“
Leben nach dem Fall. Im Interview erläutert der 65-Jährige, was damals wirklich gelaufen sei, dass er sich von Schieszler „nicht als Vollidiot“ hinstellen lassen will und wie er jetzt – nach dem tiefen Fall – lebt: „Ich mache Yoga und meditiere, gehe laufen und lebe als Vegetarier.“ Früher habe er mit seiner Firma „ein großes Spiel aufziehen wollen“ – „aber ich war ein Getriebener, hatte nie Zeit für meine Tochter und insgesamt kein schönes Leben“.

1.000 Euro im Monat
Eingebracht hat es ihm das Image des „Bösewichts der Nation“. Dabei habe er, bei allen Fehlern, nicht „vorsätzlich schlecht gehandelt, sondern in einem System mitgearbeitet“, sagt Hochegger. Von diesem System hat er sich inzwischen ganz verabschiedet, seine Ansprüche zurückgeschraubt: „Ich lebe von 1.000 Euro im Monat.“ Früher waren es 300.000 bis 400.000 im Jahr.

Peter Hochegger im Interview: "Ich bin doch kein Vollidiot"
ÖSTERREICH: Sie haben Kronzeugen Schieszler angezeigt, warum?
Peter Hochegger: Er hat vor Gericht die Unwahrheit über mich gesagt – das lasse ich nicht auf mir sitzen.

ÖSTERREICH:
Was genau stimmt nicht?
hochegger: Er hat gesagt, ich hätte auf sein Drängen hin mit der Politik über eine Änderung der Universaldienstverordnung (UDV) gesprochen und ihm dann mitgeteilt, das koste 1 Million Euro. Das ist eine Lüge und die hat er erst vor Gericht so erzählt. In allen Einvernahmen davor hat er das nicht so dargestellt. Mit dieser Lüge unterstellt er mir Dummheit, aber ich bin doch kein Vollidiot. So funktioniert der Job einfach nicht.

ÖSTERREICH:
Wie denn?
Hochegger: Zunächst: Es gab keinen Auftrag, ich hatte mit der UDV nie etwas zu tun, die Telekom hat mich nie um etwas gebeten. Und: Normalerweise hat man sich mit Experten zusammengesetzt, wenn ein Manager bei einem Thema ein Problem hatte. Und erst, wenn man einen Plan hat, geht man zu den Entscheidern und trägt Argumente vor. Ich renn doch nicht ohne Briefing zur Politik.

ÖSTERREICH: Gab es solche Fälle bei der Telekom?
Hochegger: Ja, sicher, als beim Thema Mietleitungen der Telekom Verluste von 25 Millionen Euro drohten. Wir konnten die Entscheidung so beeinflussen, dass es nur fünf Millionen waren, mein Honorar waren 250.000 Euro.

ÖSTERREICH: Fühlen Sie sich in Ihrer Ehre gekränkt?
Hochegger: Ja, es geht auch um meine Reputation.

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