Ein Geldtransporter aus Österreich wurde auf dem Weg in die Ukraine gestoppt und 70 Millionen Euro beschlagnahmt. Der Pipeline-Streit zwischen Ungarn und der Ukraine erreicht damit eine neue Ebene.
Der Vorfall ereignete sich am Donnerstag, als ungarische Behörden sieben Mitarbeiter der staatlichen ukrainischen Oschadbank festnahmen. Die Männer waren gerade dabei, eine enorme Summe Bargeld aus Österreich in die Ukraine zu bringen.
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Mittlerweile sind die Bankmitarbeiter wieder auf freiem Fuß, doch die Fracht bleibt verschwunden. Wie der Chef der ukrainischen Zentralbank, Andryj Pyschnyj, am Freitag auf Facebook erklärte, wurden das beschlagnahmte Bargeld und das Gold bisher nicht zurückgegeben.
Bargeld und Goldbarren beschlagnahmt
Die Situation sei laut dem Zentralbankchef „unfassbar“. Kiew arbeite nun mit Hochdruck daran, die Ladung „so schnell wie möglich“ zurückzuholen. Nach Angaben der Bank handelt es sich um Euro- und Dollarscheine im Gesamtwert von fast 70 Millionen Euro. Zusätzlich befanden sich neun Goldbarren mit einem Gewicht von jeweils einem Kilo an Bord des Transporters. Budapest rechtfertigt den Zugriff mit Ermittlungen wegen des Verdachts auf Geldwäsche und veröffentlichte dazu Bilder der Fracht auf Facebook.
Vorwurf der Geiselnahme
Kiew widerspricht dieser Darstellung vehement und wirft Ungarn vor, die Männer „als Geiseln“ genommen zu haben. Dies sei eine Vergeltungsmaßnahme für die verzögerte Wiederaufnahme des Betriebs der Druschba-Pipeline. Über diese Leitung gelangt russisches Öl durch die Ukraine nach Budapest. Das Verhältnis zwischen rechtsnationalen Viktor Orbán und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gilt ohnehin als extrem angespannt.
Blockade der EU-Mittel
Hintergrund der Eskalation ist die Beschädigung der Druschba-Pipeline im Jänner durch einen russischen Angriff. Ungarn und die Slowakei werfen der Ukraine vor, die Reparaturen absichtlich hinauszuzögern. Als Reaktion darauf blockiert Viktor Orbán derzeit ein EU-Darlehen für die Ukraine in der Höhe von 90 Milliarden Euro sowie ein neues Sanktionspaket gegen Russland. Während die EU versucht, mäßigend einzugreifen, bleibt die Lage um das beschlagnahmte Geld aus Österreich vorerst ungeklärt.