Steuer-Prozess

Hoeneß: "An 1 Tag verzockte ich 18 Mio."

10.03.2014

Uli Hoeneß (62) kam mit drei Anwälten und gestand einen noch größeren Betrug.

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Er spendete Millionen für karitative Zwecke, machte Bayern München zu einem der erfolgreichsten Fußballklubs der Welt und galt als Deutschlands größter Saubermann.

Jetzt geht es für Uli Hoeneß ums Ganze: Knast oder Freispruch?
Gestern wurde im Saal 134 des Münchner Landgerichts II der Prozess gegen den Bayern-Boss eröffnet. Und gleich zum Auftakt gab’s als Überraschung ein Geständnis: „Ja, ich habe die Taten begangen!“

Hoeneß gab größeren Steuerbetrug zu
Insgesamt 18,5 Millionen Euro habe er hinterzogen, bekannte Hoeneß. Das sind 15 Millionen mehr als bislang bekannt war!

Denn ursprünglich war die Staatsanwaltschaft davon ausgegangen, dass der 62-Jährige „nur“ 3,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen und 5,5 Millionen Euro falsch deklariert hat.

Mit seiner Ehrlichkeitsstrategie hoffe er, sich eine Haft zu ersparen, vermuten Reporter. Ein Versuch, der allerdings als ausgesprochen „riskant“ bewertet wird.
Hoeneß superehrlich: „Ich will jetzt ohne Wenn und Aber reinen Tisch machen. Ich bereue mein früheres Verhalten zutiefst.“

Alle fragen sich jetzt: Wird sich Hoeneß heute beim Match gegen Arsenal auf die Bayern-Tribüne trauen?

»Ich habe ein bisschen die Nerven verloren«
Rund um die Uhr hatte Uli Hoeneß – für den die Unschuldsvermutung gilt – zwischen 2003 und 2009 mit Millionenbeträgen jongliert: „Ich habe ständig gezockt und war verrückt!“, sagt der Hobby-Börsianer. Sein aberwitzigster Coup: An einem einzigen Tag verspielte er 18 Millionen Euro! Hoeneß: „Ich habe ein bisschen die Nerven verloren.“ Das kann man nachvollziehen.

Ob sich Richter Rupert Heindl von der Selbstanzeige und verbalen Zerknirschtheit des einstigen Medienlieblings rühren lassen wird, bleibt noch abzuwarten.

Zu bedenken ist: Für die ­zusätzlich offengelegten 15 hinterzogenen Steuermillionen kann Hoeneß gar nicht mehr belangt werden, sollten diese Delikte länger als zehn Jahre zurückliegen, also verjährt sein.

Steffi-Graf-Vater kassierte fast vier Jahre Haft
Und falls doch? Hier gibt es Vergleichswerte aus der Gerichtspraxis. Peter Graf, der Vater von Steffi Graf, war 1997 für 12,3 Millionen DM (etwa 6,2 Millionen Euro) zu drei Jahren und neun Monaten Haft verdonnert worden. Hoeneß hinterzog die dreifache Summe!

Heute um 9.30 Uhr wird der Prozess fortgesetzt. Für Donnerstag wird das Urteil erwartet.

Das sagt Hoeneß: "Es war der Kick"

Um 10.04 Uhr legte der Bayern-Boss gestern vor Gericht sein Millionengeständnis ab.
Monatelang hat sich Uli Hoeneß auf diesen Auftritt vorbereitet. Um kurz nach 10 Uhr setzt der 62-Jährige im Saal 134 des Landgerichts München II zu seiner Millionenerklärung an.

  • Hoeneß über Reue: „Ich will ohne Wenn und Aber reinen Tisch machen. Ich bereue mein früheres Verhalten zutiefst. Ich werde alles dafür tun, dass dieses für mich bedrückende Kapitel abgeschlossen wird.“
  • Über Zockerei: „Von 2005 bis 2006 habe ich richtig gezockt, die Summen waren unbeschreiblich, das war der Kick, pures Adrenalin. Ich hatte seinerzeit einen kleinen Börsenpager dabei, mit dem man die Kurse kontrollieren konnte, auch nachts. Zwischen 2001 und 2010 gab es mehr als 50.000 Transaktionen.“
  • Über die Folgen: „Die Folgen waren katastrophal. Drohbriefe, Morddrohungen. Aber ich will hier nicht jammern. Hätte ich mich von vornherein dazu entschlossen, die Dinge vernünftig zu erledigen, säßen wir nicht hier.“
  • Über sein soziales Engagement: „Ich bin kein Sozialschmarotzer, ich habe 5 Millionen Euro an soziale Einrichtungen gegeben, 50 Millionen Steuern gezahlt.“

Das sagt der Richter: "Reden Sie doch keinen Unsinn"

Der Staatsanwalt wirf Hoeneß in sieben schweren Fällen Steuerbetrug vor.
Überraschung zu Beginn des Prozesses: Staatsanwalt Achim von Engel wirft Uli Hoeneß sieben Straftaten vor – und Knallhart-Richter Rupert Heindl glaubt Hoeneß kaum: „Erzählen Sie uns keinen vom Pferd.“ Die Anklagepunkte:

  • Steuerhinterziehung 2003: Hoeneß hätte in diesem Jahr dem Finanzamt 188.361,81 Euro zahlen müssen.
  • Falsche Steuererklärung 2004: Laut Anklage entgehen dem Fiskus 142.151,30 €.
  • Hinterziehung 2005: Aus Sicht der Anklage fehlen in der Steuererklärung 5,.796 Millionen € aus Spekulationsgewinnen – Steuerausfall: 388.728 €.
  • Falsche Angaben: Im Jahr 2006 lief es auf dem Schweizer Hoeneß-Konto richtig rund. Er soll 9,4 Millionen verschwiegen haben.
  • Hinterziehung 2007: Einkunftsarten deklariert Hoeneß nicht, wodurch dem Staat 1,149 Mio. € entgehen.
  • Hinterziehung 2008: In diesem Jahr fehlen 4,7 Mio. € in der Steuererklärung.
  • Hinterziehung 2009: Hoeneß erspart sich 459.285,57  € an Steuern.

Dana Müllejans

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