Nach 6:1-Gala
Darum droht den Bayern jetzt Ungemach
11.03.2026Der FC Bayern hat mit einer beeindruckenden Leistung Kurs aufs Viertelfinale der Fußball-Champions-League genommen. Dennoch könnte es Ärger geben.
Durch den 6:1-Auswärtssieg am Dienstag gegen Atalanta Bergamo ist der Aufstieg in die Runde der letzten acht nur noch Formsache. Ähnliches gilt für Atletico Madrid nach einem Heim-5:2 über Tottenham. In dieser Partie avancierte Antonin Kinsky, der Goalie der Londoner, mit zwei schweren Patzern und seiner Auswechslung nach 17 Minuten zur tragischen Figur.
Die Bayern hingegen zeigten sich nach ihrem gelungenen Auftritt in Bergamo berauscht. "Besser geht es nicht. Topspiel, top Ergebnis", bilanzierte Aleksandar Pavlovic. Kapitän Joshua Kimmich ergänzte: "Die Art und Weise war sehr stark. Wir wussten, dass wir ihnen richtig wehtun können." Angesichts der drückenden Überlegenheit musste der zuletzt leicht angeschlagene Torjäger Harry Kane erst gar nicht eingesetzt werden, Konrad Laimer blieb zur Pause in der Kabine.
Trotzdem war bei den Bayern nicht alles eitel Wonne. Der Kanadier Alphonso Davies zog sich drei Monate vor seiner Heim-WM eine Verletzung zu und wurde mit Tränen in den Augen ausgewechselt. Zudem musste Keeper Jonas Urbig, der den an einem Muskelfaserriss laborierenden Manuel Neuer ersetzte, mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ins Spital. Am Samstag gegen Leverkusen wird wohl der dritte Goalie Sven Ulreich im Tor der Münchner stehen.
Keine schwere Verletzung bei Musiala
Offenbar glimpflich kam Jamal Musiala davon. "Er hat irgendetwas am Knöchel gespürt, aber nichts Schlimmes, nichts Dramatisches. Da scheint es mir am wenigsten schlimm zu sein", lautete die Einschätzung von Sportvorstand Max Eberl. Trainer Vincent Kompany meinte mit Blick auf die Verletzungen: "Es ist schade. Wir dürfen uns das Momentum aber nicht wegnehmen lassen."
Allerdings droht den Bayern noch weiteres Ungemach. Joshua Kimmich und Michael Olise sahen gegen Atalanta wegen Zeitspiels jeweils ihre dritte Gelbe Karte und fallen damit für das kaum mehr relevante Rückspiel aus, wären aber im Viertelfinal-Schlager gegen Manchester City oder Real Madrid dabei - oder auch nicht.
Die UEFA erklärte zwar auf dpa-Anfrage, dass entsprechend den Regeln Kimmich und Olise im Rückspiel gesperrt sind. Gleichzeitig betonte aber ein Sprecher des Kontinentalverbandes, dass die offiziellen Spielberichte der Partien am Dienstag derzeit geprüft werden: "Sobald Vorfälle gemeldet werden, werden Verfahren eingeleitet. Sollten diese zu Disziplinarmaßnahmen führen, werden diese auf der UEFA-Disziplinar-Homepage veröffentlicht." Das könne in den kommenden Tagen erfolgen.
Keine Angst vor längeren Sperren für Kimmich und Olise
Sorge vor einer längeren Sperre war beim deutschen Rekordmeister nach dem Spiel nicht zu vernehmen. "Wir haben geführt, wir haben auf Zeit gespielt, dann bekommst du Gelbe Karten", sagte Sportvorstand Max Eberl. Die UEFA hatte einst Real Madrids Kapitän Sergio Ramos für zwei Partien in ihren Wettbewerben gesperrt, weil er sich im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Ajax Amsterdam eine Gelbe Karte abgeholt hatte.
Ramos hatte nach dem Spiel allerdings auch eingeräumt, eine Verwarnung provoziert zu haben. Derartiges war von Kimmich und Co. nicht zu hören. "Generell bin ich schon einer, der jedes Spiel machen möchte", sagte Kimmich und wies auf den Gegenspieler hin. "Ich glaube, wenn der nicht durchdreht, dann gibt es auch keine Gelbe Karte. Ich habe schon lange gebraucht, wollte jetzt nicht ins Pressing reinspielen. Ich habe zu lange gebraucht, auf jeden Fall. Ich glaube trotzdem, wenn der nicht auf mich zustürmt, lässt der Schiri es vielleicht durchgehen." Absichtlich habe man sich die Verwarnung nicht abgeholt, sagte Kimmich. "Unnötiges Zeitspiel auf jeden Fall. Am Ende haben wir jetzt die Quittung, dürfen nicht mitspielen, fertig."
In Madrid gab es aus anderen Gründen Aufregung. Tottenham-Trainer Igor Tudor nahm Tormann Kinsky gegen Atletico nach nur 17 Minuten vom Platz. "Das war notwendig, um den Spieler und die Mannschaft zu schützen", sagte der 47-Jährige und sprach von einer "unglaublichen Situation".
Tottenham-Coach Tudor warf Kinsky ins kalte Wasser
Tudor, der Kevin Danso durchspielen ließ, hatte statt auf Stammkeeper Guglielmo Vicario auf den jungen Tschechen (22) gesetzt, der zuvor in dieser Saison erst zweimal im Liga-Cup zum Einsatz kam. Das sei in der aktuellen Situation die richtige Entscheidung gewesen, sagte Tudor.
Für Kinsky war es das erste Spiel in der Königsklasse. Schon in der 15. Minute führte Madrid 3:0, auch weil der Keeper zweimal patzte. Bei Atleticos Führung rutschte er bei einem Pass weg. Wenig später spielte er den Ball relativ unbedrängt genau in die Füße von Julian Alvarez, der ohne Probleme das 3:0 machte. "Er ist ein guter Tormann. Leider sind in diesem wichtigen Spiel diese Fehler passiert", meinte Tudor.