Klartext

Toto Wolff spricht über Verstappen-Gerüchte

24.03.2026

Vor dem Abflug zum Japan-GP in Suzuka (Sonntag, 7 Uhr, live ServusTV) meldete sich Mercedes-Boss Toto Wolff bei oe24. Dabei ärgert er sich vor allem über die "dummen" Gerüchte um Max Verstappen und Mercedes.

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oe24: Herr Wolff, Ihre Piloten dominieren die neue F1 nach Belieben. Trotzdem tauchten Gerüchte auf, dass Sie Max Verstappen einen Wechsel zum Mercedes schmackhaft machen wollen. Was sagen Sie dazu?
TOTO WOLFF: Das Erstaunliche ist, dass diese dummen Gerüchte jetzt schon im März aufkommen. Dumm genug, dass man normalerweise im Juli darüber sprechen muss. Ich weiß nicht, wer das jetzt wieder aufgebracht hat. Wir haben zwei Fahrer, mit denen wir langfristige, mehrjährige Verträge haben. Ich könnte nicht glücklicher und happier mit den beiden sein. Beide bringen Top-Leistungen, dass es überhaupt keine Veranlassung gibt, über ein Lineup-Change, über andere Fahrer, auch nur nachzudenken. Das sag ich bei größtem Respekt zu Max.

oe24: Lassen Sie uns über das neue Reglement sprechen: Alle regen sich darüber auf - bis auf das Mercedes-Team, das allen um die Ohren fährt.
WOLFF: Es regen sich nicht alle auf, sondern einige Fahrer, die Probleme mit dem komplexen E-Management haben. Hauptzielgruppe sind aber die Fans, und von denen finden über 90 Prozent, dass wir jetzt unterhaltsames Racing haben: unterhaltsam und spannend.

oe24: Hätte man nicht beim guten alten Racing bleiben können?
WOLFF: Man muss sich im Sport immer wieder verändern. Man sollte beides respektieren: Die Meinung der Traditionalisten, die den Sport gerne so wollen, wie er früher war, und die der neuen Fans, die sagen: „Uns gefällt’s eigentlich so, wie es jetzt ist gut, und so soll es bleiben.“ Wir müssen evaluieren, was das Beste für die F1 und ihre Fans ist. Im Moment sehen wir eine klare Linie.

Wolff: "Keine Sorge, dass es langweilig wird"

oe24: Was halten Sie den Skeptikern entgegen, die fürchten, dass die WM bald fad werden könnte, weil Mercedes zu überlegen ist?
WOLFF: Die ersten beiden Rennen zeichnen doch ein ganz anderes Bild. Ich hab keine Sorge, dass es langweilig werden könnte. Wir haben eine gute Pace, aber die hat Ferrari auch. McLaren wird kommen und die anderen werden das Thema Motorenmanagement auch schnell lernen. Wir sehen extrem spannendes und spektakuläres Racing nicht nur vorne zwischen uns und Ferrari, sondern auch im Mittelfeld mit den meisten Überholmanövern. Woran wir vielleicht noch feilen können, ist das Qualifying-Format, wo wir mit dem Energy-Management ein bisschen zurückgehen sollten. Daran wird gearbeitet.

oe24: Dr. Marko meint, ohne die starken Starts von Ferrari würde sich wenig tun...
WOLFF: Der Doktor ist halt ein Traditionalist. Man muss seine Meinung respektieren.

oe24: Geht Ihnen Marko im Fahrerlager ab?
WOLFF: Die Welt bewegt sich weiter. Ob Niki, ich oder Helmut. Persönlichkeiten sind wichtig für den Sport - wenn eine weg ist, ist es nicht gut für die Show, aber das ist nun mal die Realität.

oe24: Mit dem 18-Jährigen Kimi Antonelli hat Mercedes eine neue Persönlichkeit aus dem Hut gezaubert. Hätten Sie sich gedacht, dass Kimi so schnell zum Siegfahrer werden würde?
WOLFF: Sie dürfen nicht vergessen, dass wir uns über ein Jahr lang Kritik anhören lassen mussten: Dass er zu jung ist, dass er zu viele Fehler macht. Das war viel Aufbauarbeit, die wir gemeinsam geleistet haben. Jetzt haben wir in China einen großen Moment erlebt, aber es wird auch wieder Rennen geben, in denen es weniger gut läuft. Das gehört dazu.

oe24: Sehen Sie in Antonelli schon einen ernsthaften Rivalen für George Russell im Kampf um den WM-Titel?
WOLFF: Nein, das ist viel zu früh, darüber zu reden. Wir sind beim zweiten Rennen in diesem Jahr, das hat er gewonnen. Wir sind optimal aufgestellt: Wir haben einen Senior-Guy und einen jungen Fahrer für die Zukunft - das ergibt eine Traumpaarung.

oe24: Sie haben Ihren früheren Kommunikationschef Bradley Lord zum Co-Teamchef bei Mercedes gemacht. Ändert das etwas für Sie?
WOLFF: Bradley ist einer der intelligentesten und intellektuellsten Menschen, mit denen ich je zusammengearbeitet habe. Er ist belesen, hat in Oxford englische Geschichte mit Auszeichnung abgeschlossen. Er ist seit 20 Jahren in der Formel 1 und kennt alles und jeden. Er ist ein Arbeitstier, 7 Tage die Woche, 24 Stunden. Ich kann mir keinen besseren Vertreter vorstellen.

oe24: Und was bedeutet das für Sie? 
WOLFF: Für mich ändert sich im Prinzip nichts. Ich bin weiter Teamchef. Bradley macht mir das Leben viel leichter, weil ich das immer größer werdende Arbeitspensum mit Meetings, Formel-1-Kommission usw. sonst nicht mehr schaffe.

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