Vor dem "Frühstücks-GP" in Japan (Sonntag, 7 Uhr) wollte oe24 von Red-Bull-Pensionist Helmut Marko wissen, ob er sich schon mit der neuen Formel 1 anfreunden konnte, wie der 82-jährige Grazer die Situation um seinen früheren Schützling Max Verstappen einschätzt.
oe24: Herr Marko, haben Sie sich schon angefreundet mit der neuen Formel 1?
HELMUT MARKO: Nein. Die lebt allein von der Ferrari-Show am Start. Wenn Sie die wegnehmen, ist nicht viel los. Ein Großteil der Überholmanöver sind ja nur Vorbeifahren. Aber es ist ja noch früh in der Saison, vielleicht wird's noch.
oe24: Könnte es für Max Verstappen nach Platz 6 in Australien und dem vorzeitigen Aus in China auch noch werden?
MARKO: Red Bull ist bekannt dafür, dass sie rasch und effektiv aufholen können. So gesehen ist noch alles möglich. Das Gute ist, dass die beiden April-Rennen ausfallen, das gibt ihnen noch mehr Zeit.
oe24: Andererseits gibt's dadurch zwei Chancen weniger zu punkten.
MARKO: Wenn man kein Auto hat, das vorne punktet, ist das kein Nachteil.
oe24: Was sagen Sie zu Verstappens Langstrecken-Auftritt am Nürburgring?
MARKO: Es war beeindruckend, wie er durchs Feld gepflügt ist. Auch wenn sein Team disqualifiziert wurde: Es war in erster Linie ein Training für das 24-Stunden-Rennen, und das war sehr erfolgreich.
oe24: Muss man nicht Angst haben, dass bei seiner GP-Renneuphorie die Formel 1 zur Nebensache werden könnte?
MARKO: Da hat er seine Freude, das war im vergangenen Jahr ähnlich. Irgendwann einmal will er die 24 Stunden von Le Mans und Spa, also alle Klassiker fahren.
oe24: Stimmt es, dass Max zu Ihrer Zeit bei Red Bull mit einem Formel-1-Demoauto auf der Nürburgring-Nordschleife fahren wollte, Sie das aber verboten haben?
MARKO: Ja, das war vor zwei Jahren. Da wäre das Risiko zu groß gewesen. Wenn Max dort im Auto sitzt, weiß er genau, wie schnell der Rekord ist und will den brechen.
"Mein F1-Aus ist in Kernöl gegossen - Hab ich das gesagt?"
oe24: Bekommen Sie eigentlich Anrufe von Leuten, die Sie in der F1 zurückhaben wollen?
MARKO: Mein Statement: Ich mache nichts mehr in der Formel 1, ist angekommen. Oder wie ich gesagt haben soll: Mein Formel-1-Aus ist in Kernöl gegossen.
oe24: Hat sich eigentlich Ihr langjähriger Wegbegleiter Adrian Newey gemeldet?
MARKO: Mit ihm hatte ich Kontakt. Es geht ihm nicht gut (angesichts des desaströsen Starts mit Aston Martin, d. Red.). Bei diesem Projekt gibt's Probleme, die nicht so schnell zu lösen sein werden.
oe24: Keine Probleme hat das Team Ihres Landsmannes Toto Wolff ...
MARKO: Mercedes ist eine Klasse für sich. Dabei zeigen die noch nicht einmal alles. Antonelli ist ein guter Mann. Er war immer schnell, mit der Routine macht er weniger Fehler.
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oe24: Halten Sie es für möglich, dass er schon heuer um die WM mitfährt?
MARKO: Da spricht schon alles für Russell, der hat die Routine.
Start zum GP von Japan in Suzuka ist am Sonntag (29.3.2026) um 7 Uhr. Qualifying: Samstag, 7 Uhr. TV: Alles live auf ServusTV.