Unsichere Zukunft
"Vertragsbruch": Schwere Vorwürfe gegen Swarovski
16.03.2026Immer noch herrscht große Verwirrung um die Zukunft von American Football in Europa. Mittendrin steckt ein Teil der Familie Swarovski, dem sogar Vertragsbruch vorgeworfen wird. Elisabeth Swarovski ist Präsidentin der SWARCO Raiders. Im Hintergrund tobt ein Rechtsstreit.
Der Kristall-Konzern Swarovski und Sport in Tirol sind eng verbunden. Mit Diana Langes-Swarovski hat eine der Kristall-Erbinnen beim Bundesliga-Klub WSG Tirol seit Jahren das Sagen, in Sachen American Football ist Elisabeth, die zweite Frau von Dianas verstorbenem Vater Gernot, Präsidentin des österreichischen Traditions-Vereins in Innsbruck. Doch ausgerechnet die Zukunft der SWARCO Raiders, neben den Vienna Vikings das Aushängeschild der US-Sportart in Österreich, hängt scheinbar nun am seidenen Faden.
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Der 1992 gegründete Verein hat laut eigenen Angaben in den Sektionen American Football, Cheerleading und Basketball über tausend aktive Mitglieder. 2022 sind die Innsbrucker zeitgleich mit den Vikings in die mittlerweile umstrittene ELF (European League of Football) von Mehrheitseigentümer Zeljko Karajica, der in Österreich auch als Präsident von Austria Klagenfurt für Schlagzeilen sorgte, eingestiegen. Doch genau das dürfte nun zum Problem werden.
Hintergrund ist, dass sich nach Ablauf der vorigen ELF-Saison elf Teams von Karajica abgewendet hatten und gründeten die EFA (European Football Alliance). Darunter waren neben den Tirolern und Wienern auch Frankfurt Galaxy, der mittlerweile in Konkurs befindliche Meister Stuttgart Surge, Berlin Thunder, Panthers Wroclaw, Paris Musketeers, Madrid Bravos, Prague Lions, Nordic Storm und Rhein Fire. Das Ziel war, eine neue semiprofessionelle Liga zu gründen und Football in Europa weiter wachsen zu lassen.
Bruch sorgt für totales Chaos
Doch aufgrund einiger Differenzen der Verantwortlichen kam es zum weiteren Bruch. Innsbruck, Frankfurt, Paris, Nordic Storm, Madrid und Prag verfolgten ihre Interessen weiter als Mitglieder der EFA und konnten auch die Ravens aus München für sich gewinnen. Die Vikings, Breslau, Berlin und Rhein Fire hingegen gründeten mit Hilfe eines starken US-Investors die AFLE (European League of Football). Neben dem Quartett wurde eine Liga mit acht Teams (London, Paris Lights, Alpine Rams aus der Schweiz und Firenze Red Lions) ins Leben gerufen, die am 23. Mai eröffnet wird.
Zeitgleich ging Medienmanager Karajica überraschend in die Offensive und kündigte an, dass er auch im nächsten Jahr mit der ELF an den Start gehen wird und beharrte dabei auf bestehenden Verträgen. Demnach seien neben den Teams seiner SEH Sports & Entertainment Holding (Helvetic Mercenaries, Hamburg Sea Devils und Cologne Centurions) die Raiders, Bravos, Ravens, Nordic Storm, Paris Musketeers und das AFLE-Team aus Berlin vertraglich an die Liga gebunden und sind auch im Spielplan fest eingeplant.
Damit sollten die Raiders beim derzeitigen Stand in zwei Ligen auflaufen, ein absolutes Tabu für Karajica, der in einem Interview auf der Liga-Seite klarstellt: "Diese Mannschaften sind nicht berechtigt, in einer anderen Liga zu spielen. Es gibt Teams in der EFA wie Tirol, Paris, Nordic Storm und Madrid, die laufende Verträge mit uns haben – ebenso wie München, das auch Anteilseigner der ELF ist." Laut dem umstrittenen Liga-Gründer hat man versucht, eine "vernünftige Lösung" zu finden, kündigt allerdings an, dass man alles daran setzen werde, auf die laufenden Verträge zu bestehen und den Liga-Betrieb aufrechtzuhalten.
Sprunghafte Raiders
Besonders verwirrend in dieser Causa war allerdings das Verhalten der Raiders unter der Schirmherrschaft von Elisabeth Swarovski. Am 3. Oktober 2025 bekannte man sich via Aussendung zur ELF, nachdem man erst einen Monat zuvor den Ausstieg bekannt gegeben hatte. "Wir sind ein Verein mit einer über 30-jährigen Geschichte und mehr als 1.000 Mitgliedern in fünf Sektionen - neben Tackle Football auch Flag Football, Basketball, Cheerleading und Performance Cheer. Wir haben eine große Verantwortung für den gesamten Verein und alle Mitglieder. Nach sorgfältiger Prüfung und Evaluierung aller Optionen sehen wir uns in der Pflicht, den bestehenden Vertrag mit der ELF zu erfüllen.", sagt Markus Wieser, Geschäftsführer der Raiders Tirol im Oktober.
Im Dezember kam abermals ein Umdenken in der Führungsetage der Innsbrucker, erneut trat man in der EFA ein. Hintergrund war, dass Karajica mit seiner Holding ein Insolvenzverfahren eröffnet hatte. Damit war man sich sicher, dass die ELF offiziell Geschichte ist, allerdings narrte der 55-jährige Deutsche alle betroffenen Teams, denn das Handelsgericht Hamburg hat ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung genehmigt und damit kann der Ligabetrieb fortgesetzt werden und alle Verträge behalten ihre Gültigkeit.
Alles spricht für EFA-Start
Von einem Fortbestand in der ELF sieht man mittlerweile bei den Raiders allerdings nicht viel. Der Social-Media-Auftritt der Innsbrucker zeigt, dass man nun doch überzeugt sei, in der EFA auf Titeljagd zu gehen. Allerdings ist die neue Liga, deren Start für 17. Mai geplant ist, alles andere als abgesichert. Die Madrid Bravos haben sich Ende Februar überraschend zurückgezogen und mit Prag und Frankfurt gibt es nur zwei Teams, die rechtlich nicht an die Karajica-Liga gebunden sind.
Ebenfalls interessant ist: Auf der Homepage der Raiders kann man derzeit nur Tickets für die österreichische Liga kaufen. Im Presse-Bereich hingegen wird man noch auf die Akkreditierungen für die ELF verwiesen. Auch für den ELF-Gamepass wird auf der Seite noch geworben. Auf oe24-Anfrage bei den Raiders bezüglich der Situation und in welcher Liga man zukünftig antreten wird, blieb eine Reaktion bis zur Veröffentlichung des Artikels aus.
Aus Sicht der Raiders ist die sportliche Talfahrt besonders brisant. Während man vor dem Einstieg in die europäische Top-Liga sich seit Jahren mit den Vikings um den Titel in Österreich duellierte, zählt man in der AFL (Austrian Football League) mehr zu den Punktelieferanten und konnte auch auf internationaler Ebene kein Ausrufezeichen mehr setzen und stand kein einziges Mal im Play-off.
Neuer Coach als Unglücksrabe?
Auch deshalb holte man heuer einen alten Bekannten, um den Erfolg nach Tirol zurückzuholen. Shuan Fatah kehrt als Head Coach nach Innsbruck zurück, doch in den letzten Jahren fungierte der 58-jährige Berliner mehr als Vorbote des Untergangs. 2021 sollte er mit den German Knights in die ELF starten, die sich allerdings zurückzogen, bevor man das erste Spiel bestreiten konnte. 2025 wollte er bei den Hamburg Sea Devils erneut in Europa sein Glück versuchen, schmiss allerdings wenige Tage vor Saisonstart hin.
Die Franchise aus dem Norden Deutschlands sorgte in der folgenden Saison nur abseits des Platzes für Schlagzeilen, weil unter anderem die Spielergehälter nicht rechtzeitig gezahlt wurden. Nun ist Fatah zurück in Innsbruck und die Football-Zukunft auf internationaler Ebene im "heiligen Land" steht angesichts der rechtlichen Ungereimtheiten ebenfalls auf wackeligen Beinen, denn es ist mehr als fraglich, dass SWARCO, wo Swarovski ebenfalls im Aufsichtsrat sitzt, einen Rechtsstreit mit Karajica eingehen wird.