18 Tote
Taliban-Angriff auf Luxushotel in Kabul
Nach stundenlangen Kämpfen haben afghanische Sicherheitskräfte mit Hilfe der NATO in einem Kabuler Luxushotel acht Angreifer der islamistischen Taliban getötet. Bei der spektakulären Attacke auf das Intercontinental kamen in der Nacht auf Mittwoch laut Polizei außerdem mindestens zehn Zivilisten - darunter ein Spanier - ums Leben. Zu der Tat bekannten sich die Taliban, mit denen die USA mit Blick auf den geplanten Truppenabzug Friedensgespräche anstreben. Präsident Hamid Karzai sowie andere internationale Politiker verurteilten den Anschlag scharf.
Viele Ausländer
In dem staatlichen Hotel, das nicht zur weltweiten Intercontinental-Kette gehört, hielten sich zu Beginn des Angriffs am Dienstagabend Teilnehmer einer für Mittwoch geplanten Konferenz zur Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen - darunter viele Ausländer - auf. Trotz strenger Kontrollen gelang es den Aufständischen, in das Gebäude einzudringen. Einem afghanischen Vertreter zufolge waren sie mit Sprengstoffgürteln, Raketen und Waffen ausgerüstet. Taliban-Sprecher Sabiullah Mujahid sagte, mehrere Attentäter mit automatischen Waffen und Sprengstoffwesten seien in das Hotel eingedrungen. Einer der Angreifer habe sich in die Luft gesprengt.
In Kabul hielt sich am Dienstag auch der US-Sondergesandte Marc Grossman auf, um Möglichkeiten für Friedensgespräche mit den Taliban auszuloten, wie das US-Außenamt mitteilte. Seine Delegation habe Afghanistan "sicher" wieder verlassen, erklärte das Ministerium, das den Angriff scharf verurteilte. Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Victoria Nuland, betonte, die Tat demonstriere erneut, dass die Terroristen Menschleben vollkommen missachteten.
Auch der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte die Attacke. "Die Terrorattentäter verfolgen allein das Ziel, die Suche nach Frieden in Afghanistan zu stoppen", erklärte er. Dies dürfe ihnen aber nicht gelingen. Westerwelle sagte in Berlin, ihm lägen keine Informationen vor, dass es auch deutsche Opfer gegeben habe. Dies sei aber auch nicht auszuschließen.
Der Angriff ereignete sich wenige Wochen vor dem geplanten Beginn des Abzugs der internationalen Truppen aus Afghanistan. Beim einem Angriff eines Taliban-Selbstmordkommandos auf das Serena-Hotel in Kabul waren im Jänner 2008 sieben Menschen getötet worden, darunter ein norwegischer Journalist.
Das Intercontinental liegt auf einem Hügel in der Hauptstadt und ist das älteste Luxushotel in Afghanistan. Die einzige Zufahrtsstraße zum Hotel wird durch mehrere Checkpoints gesichert. Auch der Eingang des mehrstöckigen Gebäudes wird schwer bewacht.