Bericht aus Texas von
Amoklauf: USA trauern um 19 tote ''Engel''
Uvalde. Binnen Minuten wurde das sonst verschlafene Uvalde (16.000 Einwohner) in Westtexas zum Ort des unvorstellbaren Horrors. Hunderte Schulkinder in der Robb-Elementary-Volksschule feierten Dienstag die letzte Woche vor den Ferien, posierten stolz für Fotos.
90 Minuten Horror. Dann kam der Killer: Salvador Ramos, ein psychisch angeknackster Eigenbrötler, der an seinem 18. Geburtstag zwei Sturmgewehre (AR-15) und 370 Schuss Munition gekauft hatte. Fast 90 Minuten lang mordete er in Klassenzimmern, jagte Schulkindern im Alter von neun bis elf Jahren Kugeln in ihre Körper. Viele der Leichen waren so entstellt, dass sie mit DNA-Proben identifiziert werden mussten. 19 Kinder und zwei Lehrerinnen kamen um.
„Mein Engel“. Lokalaugenschein vor der Schule: Dutzende Trauernde stehen vor einem Blumenmeer. Angehörige der Opfer teilen ihr Leid. „Er hat sie hingerichtet“, sagt Anna Lisa K. im Gespräch mit ÖSTERREICH über ihre Cousine Amerie Jo Garza (10). Die Kleine starb als Heldin: Als sie den Notruf wählte, drückte der Killer ab. Ihr Blut wäre aufs Gesicht einer Mitschülerin gespritzt. Ihr Vater Angel Garza klammert sich bei Interviews an ein Bild des pausbäckigen Mädchens und bricht unter Tränen zusammen: „Sie war mein Engel!“
Das sind die Opfer
Diese 19 Mädchen und Buben der vierten Klasse erschoss der Killer:
Miah Cerillo (11) überlebte. Sie erzählt auf CNN: „Er schrie ‚Gute Nacht‘ und schoss ihr in den Kopf.“
Mit dieser Enthüllung steigt die Wut: Die Polizei versagte beim Sturm auf die Schule – 18 Elitepolizisten standen eine Stunde vor dem Klassenzimmer und warteten auf den Zugriff. Der Polizeichef hatte geglaubt, dass ohnehin alle tot wären. Jetzt beginnen in Uvalde die Begräbnisse: Eine zweite Woche der Trauer folgt.
Herbert Bauernebel