Ruby-Prozess

Berlusconi in der Bunga-Bunga-Klemme

01.04.2011

Sexaffäre und Nötigung könnten ihn bis zu 15 Jahre hinter Gitter bringen.

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© AP Photo/Andrew Medichini
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Der italienische Premierminister Silvio Berlusconi muss sich ab kommendem Mittwoch wegen Sex mit einer minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauchs in einem Schnellverfahren in einem äußerst spektakulären Prozess vor Gericht verantworten. Dem Milliardär und Medienzaren, der seit 17 Jahren Italiens politische Szene beherrscht, droht eine Höchststrafe von 15 Jahren, die seiner brillanten und umstrittenen Karriere ein Ende setzen könnte. Eine Verurteilung als Sexualstraftäter, der seine Affäre mit der 17-jährigen Prostituierten "Ruby Herzensbrecherin" durch Beziehungen zu Polizei und Justiz vertuscht hat, würde Berlusconi höchstwahrscheinlich politisch nicht überleben.

Geld und Schmuck verschenkt
33 Frauen soll Berlusconi für ausschweifende Partys in seiner Mailänder Luxusresidenz in Arcore bei Mailand bezahlt haben. Für ihre nächtlichen Besuche soll sie der Premier mit Geld und Geschenken überhäuft haben, geht aus den Dossiers der Mailänder Ermittler hervor, die seit Monaten im Sumpf der "Bunga-Bunga"-Affäre waten. Ruby hatte der Staatsanwaltschaft Mailand erzählt, dass Berlusconi den Ausdruck "Bunga-Bunga" vom libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi entlehnt habe, der ihn für seinen afrikanischen Harem benutzen soll. Der mehrfache Großvater Berlusconi deckte junge Schönheiten mit Banknoten und Schmuck ein. Großzügig wurden die Frauen in eigenen Wohnungen im von Berlusconi als Bauunternehmer in den 70ern entworfenen Stadtviertel "Milano Due" einquartiert.

Zum Verhängnis wurde Berlusconi seine Beziehung zum marokkanischen Callgirl Ruby, die dem 74-jährige Medientycoon den Kopf verdrehte. Laut den Vorwürfen der Ermittler soll sie mehr als 14 Mal zwischen Februar und Mai 2010 beim Premier übernachtet haben. Damals soll sie erst 17 Jahre alt gewesen sein. Laut den Ermittlungsergebnissen soll der Regierungschef dem Mädchen am Anfang ihrer gemeinsamen Beziehung 50.000 Euro ausgehändigt haben - als Dank für intime Treffen. In abgehörten Telefonaten ist auch die Rede davon, dass Berlusconi von Rubys Minderjährigkeit wusste. Seine Anwälte behaupten immer noch, dass er davon keine Kenntnis hatte. Die junge Marokkanerin bestreitet, dass sie vom Premier für Sex bezahlt worden sei, sie habe lediglich Geschenke und 7.000 Euro erhalten.

Im Mai 2010 wurde Ruby unter der Beschuldigung in Mailand festgenommen, sie habe einer Frau 3.000 Euro und eine Uhr gestohlen. Berlusconi rief laut den Ermittlern persönlich bei der Polizei an und drängte auf ihre Freilassung und forderte, das Mädchen einer von ihm genannten Vertrauensperson zu übergeben. Er behauptete, Ruby sei die Nichte von Ägyptens inzwischen abgesetztem Präsidenten Hosni Mubarak.

George Clooney und Cristiano Ronaldo als Zeugen
Eine bunte Liste von Zeugen will Berlusconi vorladen, um dem Gericht zu beweisen, dass in seiner Villa anstatt wüster Partys mit Dutzenden bezahlten Frauen nur feine Abendessen mit harmloser Unterhaltung, Filmvorführungen und Karaoke stattfanden. Vier italienische Minister sollen bestätigen, dass es beim Premier stets anständig zuging. Hollywood-Schwarm George Clooney samt Freundin Elisabetta Canalis und Fußballstar Cristiano Ronaldo sollen dagegen dem Gericht die Unglaubwürdigkeit der Kleinkriminellen und Prostituierten Ruby klar machen. So behauptete Ruby, Clooney und Canalis bei einer von Berlusconis Partys gesehen zu haben, was das Promipaar aber vehement bestreitet. Mit Ronaldo habe sie eine heiße Nacht verbracht, gab Ruby laut Medienberichten zu Protokoll. Er habe ihr Geld geboten, das sie jedoch abgelehnt habe. Doch der Starstürmer von Real Madrid bestreitet, das Callgirl jemals getroffen zu haben.

Schicksal liegt in Frauenhänden
Die Wahrheit sollen jetzt drei Richterinnen herausfinden, denen der Regierungschef ab Mittwoch gegenübersteht. Mehrere Frauen spielen in diesem Justizverfahren eine entscheidende Rolle. Cristina Di Censo ist die Ermittlungsrichterin, die das Schnellverfahren gegen Berlusconi verfügte. Auch die Mailänder Staatsanwältin Ilda Boccassini - sie koordinierte die Ermittlungen gegen Berlusconi - ist eine Frau. Berlusconis Anwalt Piero Longo gab sich galant: "Damen sind immer willkommen und manchmal angenehm", sagte er. Doch der erfahrene Verteidiger konnte seine Sorge vor der Tatsache, dass das Schicksal Berlusconis jetzt wirklich ganz in Frauenhänden liegt, nicht ganz verbergen.

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