Nach Protesten

Maddie-Verdächtiger zieht in Unterkunft in Kiel

31.01.2026

Der im September aus der Strafhaft entlassene deutsche Verdächtige im Fall des 2007 in Portugal verschwundenen britischen Mädchens Madeleine "Maddie" McCann lebt mittlerweile in einer Unterkunft im deutschen Kiel.  

Zur Vollversion des Artikels
© APA/AFP/POOL/Julian Stratenschulte
Zur Vollversion des Artikels

Der Mann habe ein städtisches Angebot für eine Unterkunft innerhalb der Landeshauptstadt angenommen, teilte eine Sprecherin am Samstag mit. Er werde weiterhin polizeilich überwacht und trage eine elektronische Fußfessel.

Der Verdächtige lebte wochenlang als Obdachloser in Kiel - in einem Waldstück, wie die Sprecherin der Stadt mitteilte. Das führte laut Bericht der "Kieler Nachrichten" zu Protesten von Anwohnern. Das Angebot einer Unterkunft in Kiel ist laut Sprecherin Ergebnis einer Fallkonferenz - also eines Fachgesprächs von Experten verschiedener Disziplinen.

Der wegen Sexualdelikten mehrfach vorbestrafte Mann war im September aus einer Justizvollzugsanstalt in Niedersachsen entlassen worden, nachdem er eine siebenjährige Haftstrafe unter anderem wegen Vergewaltigung abgesessen hatte. Die Staatsanwaltschaft in Braunschweig stuft ihn unabhängig davon als Verdächtigen im Fall der verschwundenen Maddie ein. Das gab sie 2020 bekannt, Anklage erhob sie deshalb bisher nicht.

Verdächtiger trotz Gefährdungseinschätzung auf freiem Fuß

Nach Einschätzung eines Gerichtsgutachters besteht bei ihm eine hohe Gefahr für weitere Straftaten. Es gibt aktuell aber keine rechtliche Grundlage für freiheitsentziehende Maßnahmen. Allerdings wurden im Rahmen der Führungsaufsicht Weisungen erteilt, welche die Rückfallgefahr mindern sollen. So muss der Verdächtige eine elektronische Fußfessel tragen und unter anderem regelmäßig Kontakt zu einem Bewährungshelfer halten.

Maddie war am 3. Mai 2007 kurz vor ihrem vierten Geburtstag aus der Ferienwohnung in einer Ferienanlage in Praia da Luz in Portugal verschwunden, während ihre Eltern in einem nahen Restaurant aßen. Der Verdächtige lebte nach Angaben deutscher Behörden früher zeitweise in Portugal. Trotz jahrelanger Suche fehlt von Maddie bisher jede Spur, der Fall sorgt seit jeher für ein großes internationales Medieninteresse.