Straße von Hormuz
Dramatischer Funkspruch: "Sie feuern jetzt!"
19.04.2026Ein indischer Tanker kam unter Beschuss. So dramatisch war die Situation in der Straße von Hormuz.
Wegen der US-Blockade iranischer Häfen hat der Iran eine erneute Blockade der Schifffahrt in der Straße von Hormuz verkündet. Die iranische Armeeführung gab am Samstag bekannt, die Meerenge werde erneut „streng kontrolliert“, solange die USA nicht die freie Schifffahrt zum Iran ermöglichten. Am Vortag hatte der Iran zwischenzeitlich eine Öffnung der Straße von Hormuz für Handelsschiffe verkündet.
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Insidern zufolge haben mindestens zwei Handelsschiffe gemeldet, dass sie am Samstag bei dem Versuch, die Straße von Hormuz zu durchqueren, unter Beschuss geraten seien.
Dramatischer Funkspruch
Eines der betroffenen Schiffe war der indische Öltanker „Sanmar Herald“. Ein Funkmitschnitt zeigt nun, wie dramatisch die Situation war. Obwohl das Schiff eigentlich eine Genehmigung zur Durchfahrt hatte, geriet es plötzlich unter Beschuss. Ein Funkmitschnitt dokumentiert die dramatischen Minuten an Bord: Der Kapitän versucht verzweifelt, seine Crew in Sicherheit zu bringen. „Dies ist das Motorschiff ,Sanmar Herald‘. Sie haben mir die Erlaubnis zur Abreise erteilt, mein Name steht an zweiter Stelle auf Ihrer Liste“, funkt er – bevor er alarmiert hinzufügt: „Sie feuern jetzt! Lasst mich umdrehen!“
Daraufhin stoppt die Besatzung zunächst die Maschinen, reißt das Ruder herum und flieht mit Höchstgeschwindigkeit. Auf Tracking-Daten ist zu sehen, wie der Tanker mitten in der Meerenge wendet und in Richtung Persischer Golf zurückkehrt. Nach Angaben des britischen Seefahrt-Operationszentrums blieb die Crew unverletzt – offenbar nur knapp. Laut Kapitän wurden jedoch die Brückenfenster durch die Schüsse beschädigt.
Kehrtwende
Teheran hatte am Freitag nach dem Inkrafttreten einer Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon eine Öffnung der Straße von Hormuz für Handelsschiffe bekannt gegeben. US-Präsident Donald Trump begrüßte den Schritt, kündigte aber zugleich an, die US-Blockade iranischer Häfen bleibe bis zu einem Abkommen mit Teheran über ein endgültiges Ende der Kämpfe bestehen.
Daraufhin drohte der Iran mit einer erneuten Sperrung der wirtschaftlich und strategisch wichtigen Meerenge. Wenn die USA ihre Blockade iranischer Häfen fortsetzten, werde „die Straße von Hormuz nicht offen bleiben“, schrieb Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf am Samstag im Onlinedienst X.
Rasche Normalisierung nicht in Sicht
Auch nach der Ankündigung am Freitag war in der für den globalen Energiehandel wichtigen Straße von Hormuz eine rasche Normalisierung des Schiffsverkehrs nach Einschätzung von Datenanbietern und Branchenbeobachtern nicht in Sicht. Wie der Sender CNN unter Berufung auf Verkehrsdaten berichtet, passierten seit der offiziellen Freigabe durch Teheran lediglich fünf Frachtschiffe und ein leeres Kreuzfahrtschiff die Meerenge, jedoch keine Öltanker.
Nach Einschätzung von John-Paul Rodriguez, Experte für Seeschifffahrt an der Texas A&M University, halten widersprüchliche Statusmeldungen Reedereien von der Durchfahrt ab. Rodriguez sagte dem Sender Al Jazeera: „Seit der Ankündigung haben Schiffe versucht, die Meerenge zu passieren ... aber es sieht so aus, als würden viele von ihnen umkehren, weil die Lage unklar ist.“ Große Reedereien würden sich wahrscheinlich nicht wohl dabei fühlen, die Meerenge zu durchfahren, bis die „derzeitige iranische Sperre vollständig aufgehoben“ sei.
Der Analysedienst Kpler schrieb auf der Plattform X, dass die politischen Ankündigungen beider Seiten stark von der operativen Realität abwichen. Eine Rückkehr zur Normalität und die Wiederherstellung des Vertrauens der Versicherungsmärkte werde Monate in Anspruch nehmen.
Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar war die Straße von Hormuz, durch die normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports verläuft, de facto durch die iranischen Revolutionsgarden weitgehend gesperrt. Die Blockade hat weltweit die Preise für Öl und Flüssiggas in die Höhe getrieben.