Drama in der Nordsee

Kampf gegen Gas-Leck bei Bohrinsel

© APA
Giftiges und hochexplosives Gas strömt weiter unkontrolliert aus.
Zur Vollversion des Artikels

Gefährliches Gas von einer Nordsee-Plattform des Energiekonzerns Total strömt auch am dritten Tag nach der Entdeckung eines Lecks ungehindert ins Meer vor Schottlands Küste. Die Ursache für das Leck an der Bohrinsel "Elgin" ist nach wie vor unklar. "Wir haben den Grund für den Vorfall noch nicht genau ausgemacht", sagte ein Sprecher des französischen Betreiberunternehmens Total am Mittwoch. Es werde weiter an einer Behebung des Problems gearbeitet. Es sei eine Frage von Tagen, bis eine Lösung gefunden werde.

Das Unternehmen habe das Überwachungsschiff "Highland Fortress" in Stellung gebracht, hieß es. Das Schiff verfüge auch über ein ferngesteuertes Mini-U-Boot, mit dem Unterwasseraufnahmen gemacht werden können. Diese Technik sei aber bisher nicht zum Einsatz gekommen, sagte ein Total-Sprecher.

© APA

Am Sonntag war an der Gasplattform 240 Kilometer östlich der Stadt Aberdeen ein Leck bemerkt worden. Umgehend brachte Total die 238 Arbeiter in Sicherheit. Tags darauf räumte der Shell-Konzern zwei benachbarte Plattformen. Die Küstenwache errichtete eine Sperrzone von drei Meilen für Flugzeuge und von zwei Meilen für Schiffe. Es hat sich auf 4,8 Quadratkilometern ein Film aus kondensiertem Gas auf dem Meer ausgebreitet.

Aktie bricht ein
Total bekommt das Gasleck auch an der Börse zu spüren. Das Unternehmen hat inzwischen fast neun Milliarden Euro an Börsenwert eingebüßt. Die Papiere rutschten am Mittwoch um bis zu 3,4 Prozent auf den tiefsten Stand seit drei Monaten ab.

Nächste Seite: Das ist die "Elgin"-Plattform

Die "Elgin"-Plattform ist eine Förderplattform, die rund 240 Kilometer östlich von Aberdeen in der Nordsee vor Schottland liegt. Das Meer ist dort nur knapp 100 Meter tief. Sie ging 2001 in Betrieb und hat ein Gewicht von mehr als 40.000 Tonnen. Die Insel ist von der Grundfläche dreieckig und auf jeder Seite gut 100 Meter lang.

Von der Plattform des französischen Total-Konzerns aus werden sechs Gasquellen in der näheren Umgebung koordiniert. Zum Teil wird in bis zu fünf Kilometer Tiefe unter dem Meeresgrund gebohrt. Die Förderprodukte wie Gas und Gaskondensat werden auf der zentralen Förderinsel "Elgin PUQ" gesammelt und chemisch behandelt.

Flüssigkeiten werden von dort über eine von dem britischen Ölkonzern BP betriebene Pipeline nach Kinneil in Schottland gebracht. Gase werde in einer Pipeline ins englische Norfolk transportiert. Auf der Plattform werden täglich 230.000 Barrel Öläquivalent umgeschlagen.