Griechenland brennt!
Österreicherin vor Ort: "Die Angst ist überall spürbar"
ÖSTERREICH: Sie urlauben derzeit nahe Thessaloniki. Ist es im Norden sicherer?
Tanja Duhovich: Die Brände wurden hier schnell unter Kontrolle gebracht, ja. Trotzdem sind die Menschen sehr angespannt. Der Fernseher rennt rund um die Uhr. Sorge bereiten ihnen die starken Winde, die die Feuer immer wieder neu entfachen und unberechenbar machen.
ÖSTERREICH: Wie kommen die Einsatzkräfte klar?
Duhovich: Sie haben alle Hände voll zu tun. Das griechische Heer unterstützt sie und es melden sich täglich freiwillige Helfer aus allen Regionen.
ÖSTERREICH: Und wie erleben Sie und andere Touristen die Situation vor Ort?
Duhovich: Vor zwei Tagen haben im Restaurant plötzlich alle Handys gleichzeitig mit Sirenenton geläutet. Wir haben ja unsere Telefonnummern bei der Registrierung angegeben. Die Regierung mahnt, offene Feuer zu meiden. Dazu zählt etwa auch das Wegwerfen von Zigaretten. Der Zugang zu den Wäldern wurde mit roten Bändern gesperrt und ist streng verboten. Die Angst ist überall spürbar.
400 neue Brände innerhalb von nur einem Tag
Inferno in der Ferienzeit. Die Lage ist außer Kontrolle, internationale Hilfe läuft an.
Athen. Es gibt kaum ein Entkommen: Die verheerenden Brände in Griechenland breiten sich seit sechs Tagen fast ungebremst aus. In 24 Stunden entstanden 400 neue Feuer. Jetzt fegen die Flammen auch über nördliche Vororte von Athen.
Feuerwand. Es sind unheimliche Szenen: Am Horizont hinter Athen ist eine leuchtend rote Feuerwand zu sehen. Der Wind verstärkt in der Nacht auf Samstag die zerstörerische Wirkung. Die Böen drücken die Flammen in die Stadt Thrakomakedones. Zahlreiche Häuser brennen nieder.
Tausende Menschen müssen aus ihren Wohnhäusern auf dem Berg Parnitha am Stadtrand Athens fliehen. Wer nicht bei Verwandten oder Freunden unterkommt, bekommt ein Hotelzimmer zugewiesen.
Offizielle Warnung: „Schließen Sie alle Fenster und gehen Sie nicht aus dem Haus.“ Rauch und Asche schweben über der Millionen-Metropole. Das Atmen ist gefährlich. Dutzende Menschen werden in Spitälern wegen Atemwegsbeschwerden behandelt.
Hunderte Menschen vor Inferno auf Fähre gerettet
Inseln gefährdet. Dramatische Szene auch auf einigen Inseln. Einheimische und Touristen stehen bis zur Hüfte im Meer, an Land ist es zu heiß. Hunderte Menschen wurden von der brennenden Insel Euböa auf eine Fähre gerettet – der Landweg ist unpassierbar. Ein Flüchtender postet ein Video aus dem Schiff Richtung Insel. Zu sehen sind an Land nur orange leuchtende Flammen, darüber dichter schwarzer Rauch.
Verzweifelt. Die Behörden sind machtlos: „Das Feuer geht unvermindert weiter, es verbrennt Wälder und zerstört Häuser, es bedroht Menschenleben! Wir wollen endlich eine ernsthafte Anzahl von Löschflugzeugen“, so der verzweifelte Hilferuf von Fanis Spanos, der für die Insel Euböa zuständige Gouverneur.
Eine internationale Hilfsaktion ist angelaufen. Helfer aus Zypern, Frankreich und Israel kämpfen seit gestern an der Seite der Griechen gegen die Flammen.
Keine Entwarnung. Die extreme Hitzewelle geht währenddessen weiter. Sie verstärkt sich sogar. Ab Montag werden wieder Temperaturen über 45 Grad erwartet. Rettender Regen ist nicht in Sicht.