Moskau

Putin-Kritiker Nawalny wieder festgenommen

25.08.2013

Nach Wahlkampfauftritt: Bürgermeisterkandidat soll offenbar eingeschüchtert werden.

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© AFP
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Eine Sondereinheit der russischen Polizei hat den Regierungskritiker Alexej Nawalny nach einem Wahlkampfauftritt vor der Bürgermeisterwahl in Moskau kurzzeitig festgenommen. Nach einem "Gespräch" über Verstöße gegen das Versammlungsrecht sei der Bürgermeisterkandidat wieder freigelassen worden, teilte das Innenministerium am Sonntag der Agentur Interfax zufolge mit.

Es seien Rechte und Interessen anderer Bürger verletzt worden, hieß es. Details nannte die Pressestelle des Ministeriums nicht. Zu der Wahlkampfveranstaltung waren mehrere Tausend Menschen gekommen. Nawalny beklagt vor der Abstimmung am 8. September zunehmende Behördenschikanen, inszenierte Strafverfahren und Justizwillkür.

Die Sprecherin des prominenten Anwalts, Anna Weduta, hatte zuvor gesagt, dass der 37-Jährige ohne Angabe von Gründen abgeführt worden sei. "Es gibt keinen Kontakt. Sie haben ihn an einen unbekannten Ort gebracht", sagte sie. Nach seiner Freilassung teilte Nawalny bei Twitter mit: "Alles ist gut". Der Antikorruptionskämpfer dankte für den starken Zulauf bei seinem Auftritt.

Zuvor hatten Nawalnys Anhänger beklagt, dass Uniformierte und kremltreue Kräfte die Veranstaltung gestört hätten. So sei Technik abgeschaltet worden. Zudem seien Provokateure im Einsatz gewesen.

Als scharfer Gegner von Staatspräsident Wladimir Putin steht Nawalny mitten im Machtkampf um das Bürgermeisteramt in der russischen Hauptstadt. Er gilt als wichtigster Gegner von Amtsinhaber Sergej Sobjanin, der vom Kreml gestützt wird. Die Opposition befürchtet, dass Nawalny vor dem Urnengang politisch kaltgestellt werden soll.

Teile des Machtlagers in der größten Stadt Europas sehen die wachsende Unterstützung für den Oppositionellen Nawalny mit Sorge. Allerdings muss Sobjanin als enger Vertrauter Putins aus Sicht von Kommentatoren keine Niederlage befürchten. Die Gegner des Amtsinhabers hoffen aber, ihn in eine Stichwahl zwingen zu können. Dazu kommt es, wenn Sobjanin nicht auf Anhieb mehr als 50 Prozent der Stimmen erhält.
 


 
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