Bomben-Hagel
Putin startet neuen Großangriff auf Kiew
14.05.2026Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist in der Nacht auf Donnerstag Ziel schwerer russischer Luftangriffe geworden.
Es gab laut Behörden mehrere Explosionen. Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte im Onlinedienst Telegram, Kiew werde von Russland mit Drohnen und ballistischen Raketen attackiert. Er rief die Menschen auf, sich in Sicherheit zu bringen. In inoffiziellen Telegramkanälen kursierten Videos brennender Wohngebäude. Medien meldeten einen massiven Einsatz der Flugabwehr.
Klitschko sprach zudem von einem eingestürzten Wohnhaus, in dessen Trümmern verschüttete Opfer befürchtet würden. Trümmer abgeschossener Drohnen trafen Gebäude in verschiedenen Stadtteilen, darunter auch Wohnhäuser, teilt der Chef der Kiewer Militärverwaltung Tymur Tkatschenko mit. Die ukrainische Luftwaffe meldet zudem russische Raketenangriffe auf die Regionen Charkiw, Sumy und Tschernihiw im Norden sowie auf das zentrale Gebiet Poltawa. Angaben zu Opfern liegen zunächst nicht vor.
Nach dem Ende einer dreitägigen Waffenruhe hatte Russland die Ukraine nach Angaben aus Kiew vom Dienstag erneut mit massiven Angriffen überzogen. Am Mittwoch dann wurde die Ukraine tagsüber mit hunderten Drohnen angegriffen. Dabei wurden nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mindestens sechs Menschen getötet. Moskau greift seit mehr als vier Jahren die Ukraine mit Drohnen und Raketen an. Die von den USA vorangetriebenen Bemühungen zur Beendigung des Krieges sind seit Beginn des Iran-Krieges ins Stocken geraten.
Die jüngsten Attacken gehörten zu den längsten Luftangriffen in mehr als vier Jahren Krieg. Schon den ganzen Mittwoch über hatte die russische Armee Drohnenangriffe auf die Ukraine geflogen, wobei solche Attacken über Tag ungewöhnlich sind. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von mehr als 800 Drohnen. Mindestens sechs Menschen seien getötet und Dutzende verletzt worden. Selenskyj bezeichnete die Angriffe als "Terror".
Selenskyj setzt auf Trumps Einfluss in China
"Es ist sicherlich kein Zufall, dass einer der längsten massiven russischen Angriffe gegen die Ukraine gerade zu dem Zeitpunkt stattfand, als der Präsident der Vereinigten Staaten zu einem Besuch in China eintraf - einem Besuch, von dem sich viele viel versprechen", sagte Selenskyj. Er hatte zuvor die Hoffnung geäußert, dass US-Präsident Donald Trump auf China einwirken möge, damit die Volksrepublik ihre Unterstützung für den russischen Angriffskrieg beendet.
Die russischen Angriffe am Tag trafen Ziele bis in den äußersten Westen der Ukraine in den Transkarpaten. Die Slowakei schloss wegen der Gefahr zeitweise die Grenzübergänge in die Ukraine, Ungarn als weiterer Nachbar in der Region äußerte seine Besorgnis. Am Mittwochabend meldete die ukrainische Luftwaffe die Explosion einer russischen Hyperschallrakete vom Typ Kinschal (Dolch) bei einem Einschlag in Starokostjantyniw im Westen, wo eine ukrainische Luftwaffenbasis liegt.
Gleichzeitig flogen abends Schwärme ukrainischer Drohnen auf russisches Gebiet, wie der Telegram-Kanal "Dronebomber" meldete. Ein Angriffsziel schienen erneut russische Erdölanlagen am Finnischen Meerbusen zu sein.
Schwere Angriffe nach drei Tagen Waffenruhe
Die heftigen russischen Angriffe folgen auf drei Tage Waffenruhe von Samstag bis Montag. Der russische Präsident Wladimir Putin konnte in dieser Zeit zwar ungestört eine Parade zum Weltkriegsgedenken abhalten, war aber abhängig davon, dass die USA die Feuerpause vermittelt hatten und die Ukrainer danach tatsächlich stillhielten.
Am Dienstag ließ Putin demonstrativ seine Militärs von einem gelungenen Test der neuen russischen Atomrakete RS-28 Sarmat berichten. Sie solle Ende des Jahres in Dauereinsatz gehen, sagte er. Allerdings ist die angebliche Einsatzbereitschaft dieses Raketentyps auch schon in früheren Jahren behauptet worden.
Mit den massiven Angriffen will Moskau den Druck auf die Ukraine erhöhen, sich auf die russischen Bedingungen für Friedensverhandlungen einzulassen. Kremlsprecher Dmitri Peskow wiederholte die Aufforderung, Selenskyj solle seine Truppen aus dem Gebiet Donezk abziehen. Erst dann könne es einen Waffenstillstand geben. Die Ukraine lehnt es kategorisch ab, die von ihr kontrollierten Gebiete Russland zu schenken.
Putin schickt neue Gouverneure in Grenzregionen
Putin tauschte unterdessen die Gouverneure der besonders vom Krieg betroffenen Grenzregionen Belgorod und Brjansk aus. Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow habe den Posten in Belgorod "auf eigenen Wunsch" abgegeben, hieß es in Putins Erlass, den der Kreml in Moskau veröffentlichte. Zum kommissarischen Nachfolger wurde General Alexander Schuwajew ernannt. Im Gebiet Brjansk folgt Jegor Kowaltschuk auf Alexander Bogomas.
Belgorod ist das erste Gebiet in Russland, auf das der Moskauer Angriffskrieg mit Zerstörungen ähnlich wie in der Ukraine zurückschlägt. Es dient der russischen Armee als Aufmarschgebiet für Angriffe auf die ukrainische Großstadt Charkiw und als logistischer Knotenpunkt. Deshalb beschießt die Ukraine immer wieder Militärziele und Infrastruktur in Belgorod.
Das wird heute wichtig
Das Oberste Anti-Korruptions-Gericht der Ukraine entscheidet heute darüber, ob der frühere Präsidialamtschef Andrij Jermak in Untersuchungshaft kommt oder gegen eine hohe Kaution auf freiem Fuß bleibt. Ihm und fünf anderen Verdächtigen wird Geldwäsche bei einem Luxusbauprojekt vorgeworfen. Jermak war bis vergangenen November die rechte Hand von Präsident Selenskyj.