Grönland-Streit

Trump: "Fühle mich dem Frieden nicht mehr verpflichtet"

19.01.2026

"Die Welt ist nicht sicher, solange wir nicht die vollständige und totale Kontrolle über Grönland haben."

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Der Streit um Grönland eskaliert weiter. In einem Brief an Norwegens Premierminister Jonas Gahr Støre fordert Donald Trump unmissverständlich die Kontrolle der Insel. Wörtlich schreibt der US-Präsident: „Die Welt ist nicht sicher, solange wir nicht die vollständige und totale Kontrolle über Grönland haben.“

Trump stellt darin offen die Souveränität Dänemarks über Grönland infrage. Er argumentiert, das EU-Land könne die Insel „weder vor Russland noch vor China schützen“ und fragt provokant, warum Kopenhagen überhaupt ein „Eigentumsrecht“ habe. Seine Begründung: „Es gibt keine schriftlichen Dokumente – lediglich die Tatsache, dass dort vor Hunderten von Jahren ein Boot gelandet ist. Aber auch wir hatten Boote, die dort gelandet sind.“

Die Infografik zeigt Informationen zu Grönland, darunter Fläche, Einwohnerzahl und politische Zugehörigkeit. Eine Umfrage aus Januar 2025 fragt, ob Grönland Dänemark verlassen und Teil der USA werden soll. 6 % stimmen mit Ja, 85 % mit Nein. Quelle: Berlingske/Euractiv.
 

Der Ton des Briefes ist auch persönlich gefärbt. Trump verweist auf seine Verärgerung darüber, keinen Friedensnobelpreis erhalten zu haben, und schreibt an Støre: „In Anbetracht dessen, dass dein Land beschlossen hat, mir den Friedensnobelpreis dafür nicht zu verleihen, dass ich acht Kriege und mehr beendet habe“, fühle er sich „nicht länger verpflichtet, ausschließlich an den Frieden zu denken“, sondern müsse darüber nachdenken, „was gut und angemessen für die Vereinigten Staaten von Amerika ist“. 

Trump poltert über Dänemark

Im Streit um Grönland hat Trump zuvor Dänemark vorgeworfen, nicht genug gegen die Bedrohung der arktischen Insel durch Russland zu tun. Seit zwei Jahrzehnten warne die NATO Dänemark vor der "russischen Bedrohung", schrieb Trump auf der Plattform Truth Social. "Leider war Dänemark bisher nicht in der Lage, etwas dagegen zu unternehmen. Jetzt ist es an der Zeit, und es wird erledigt werden!!!" Trump ließ offen, welche konkreten Schritte er meint.

 Der US-Präsident hat wiederholt deutlich gemacht, dass sich die USA die Insel einverleiben wollen – was die europäischen NATO-Partner vehement ablehnen. Bereits zuvor hatte Trump gewarnt, dass sonst Russland oder China das strategisch wichtige Territorium in der Arktis übernehmen würden. Grönland ist weitgehend autonom und gehört zum Staatsgebiet des NATO-Mitglieds Dänemark.

 Am Samstag hatte Trump Strafzölle gegen Deutschland und weitere NATO-Länder angekündigt. Anstoß hatte er unter anderem an deren gemeinsamer militärischer Erkundungsmission auf Grönland genommen. Seither befindet sich Europa auf Kollisionskurs mit den Vereinigten Staaten. Bei einem Sondergipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs Ende der Woche dürfte es auch um die milliardenschweren Gegenmaßnahmen gehen, die der EU als Handelsoption zur Verfügung stehen.

Baerbock: "America alone"

Aus Sicht der früheren deutschen Außenministerin und jetzigen Präsidentin der UNO-Vollversammlung, Annalena Baerbock, schaden sich die USA durch Trumps Vorgehen auch selbst. Was Trump gerade tue, sei "auch ein absoluter Schuss ins eigene wirtschaftliche Knie", sagte Baerbock am Montag im Deutschlandfunk. "Die USA sind heftigst verschuldet, haben ein absolutes Interesse daran, weiteren Handel zu treiben." Baerbock griff eine Trump-Parole auf und sagte: "'America first' bedeutet 'America alone'." Sie verwies darauf, dass auch die Charta der Vereinten Nationen Wirtschafts- und Finanzsanktionen ermögliche. Die Europäer sind der größte Binnenmarkt der Welt. Wenn die Europäer gemeinsam mit anderen Staaten auf dieser Welt diese Dinge beschließen, dann hat das natürlich einen massiven Effekt."

Mit Blick auch auf Russlands Krieg in der Ukraine sagte Baerbock, wenn Trump in Grönland Erfolg habe, "dann könnte in Zukunft kein Land auf dieser Welt mehr ruhig und in Frieden schlafen". Die internationale Ordnung sei unter Attacke. Die Grüne Politikerin erklärte, Russland und China hätten als ständige Mitglieder des Sicherheitsrats die Aufgabe, den Weltfrieden zu sichern. "Wenn ausgerechnet diese beiden die Regeln des Weltfriedens nicht ernst nehmen, dann ist es an allen, jetzt sehr klarzumachen, dass sie geschlossen zusammenstehen." 

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