300 im Visier
Angriff auf die neue Terror-Zentrale
Die USA und Großbritannien rüsten jetzt gegen Al-Kaida im Jemen. Das Land gilt als neue Al-Kaida-Hochburg.
Nach dem Anschlagsversuch auf einen Delta-Northwest-Jumbo vor Detroit durch Selbstmordbomber Umar Farouk Abdulmutallab (23) ist der Jemen die heißeste Terror-Front. US-Präsident Barack Obama machte es per Videoansprache offiziell: Al-Kaida-Terroristen im Jemen hätten den Nigerianer „ausgebildet“ und die Unterhosen-Bombe „hergestellt“.
Nach hektischen Telefonaten zwischen Obama und Briten-Premier Gordon Brown wurde die Finanzierung und der Aufbau einer polizeilichen Anti-Terroreinheit beschlossen. Für Ende des Monats ist eine internationale Jemen-Krisensitzung anberaumt.
(C) TZ ÖSTERREICH
„Ohnmacht“
Die chaotischen Zustände dort, wo auf
jeden Bürger drei Waffen kommen, bieten Al-Kaida-Kämpfern, oft vertrieben
durch Offensiven in Afghanistan, einen neuen Zufluchtsort: Stammeskrieger
und Rebellen kämpfen um den 23-Millionen-Einwohner-Wüstenstaat. Die schwache
Regierung in Sanaa scheint „ohnmächtig angesichts der Gewalt“, so
Terrorexperte Steven Emerson. 300 Al-Kaida-Kämpfer sollen in dem
zerklüfteten Terrain operieren.
Offensive
US-General David Petraeus traf sich mit Jemens
Präsident Ali Abdullah Saleh zur Abstimmung der Großoffensive. CBS-TV
berichtete, dass die US-Streitkräfte federführend bei Antiterror-Operationen
sind. Im Vormonat wären Stellungen der Al-Kaida-Filiale „Arabische
Halbinsel“ (AQAP), die sich später zur Detroit-Attacke bekannte, sogar mit
Cruise Missiles beschossen worden.
Im Visier stand auch der Radikal-Imam Anwar al-Awlaki, der den Jumbo-Bombenplan genehmigte. 150 starben, al-Awlaki überlebte jedoch. Petraeus: Durch den Schlag wurde eine Terrorattacke gegen die US-Botschaft vereitelt. Dennoch: Aus Angst vor Vergeltung schlossen die USA und Großbritannien ihre Vertretungen.