Atemberaubend schön

20. Grafenegg Festival feierlich eröffnet

© NLK KHITTL
Beethoven und Orff sorgten zum großen Jubiläum für ein Bilderbuch-Konzert im ausverkauften Wolkenturm.
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Mit einem Konzertabend der Extraklasse wurde am Freitag das 20. Grafenegg Festival eröffnet. Dabei würdigte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) die vorzügliche Entwicklung des Kulturstandorts: "Vor zwanzig Jahren gab es keine Erfolgsgarantie. Es gab Mut und eine große Vision: einen einzigartigen Ort zu schaffen, an dem sich Natur, Architektur und Musik von Weltrang verbinden. Heute wissen wir: Diese Vision ist aufgegangen." Grafenegg stehe heute für künstlerische Exzellenz, internationale Begegnung und große Emotionen.

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner mit Rudolf Buchbinder und Nikola Hillebrand. © NLK KHITTL

"Grafenegg ist ein Musikstandort der Weltklasse und ein internationales Aushängeschild unseres Kulturlandes Niederösterreich. Es beweist, dass Weltklasse nicht nur in den großen Metropolen zuhause ist, sondern genauso hier – mitten in Niederösterreich", so Mikl-Leitner.

Bilderbuch-Konzert zur Festival-Eröffnung

Rudolf Buchbinder, der Wiener Singverein, die Wiener Chormädchen, Nikola Hillebrand, Nicholas Phan, Germán Olvera und das Philharmonia Orchestra London unter der Leitung von Cristian Măcelaru eröffneten das 20. Grafenegg Festival mit einem opulenten Bilderbuch-Konzert im ausverkauften Wolkenturm.

Auf dem Programm standen Beethovens "Chorfantasie" und die "Carmina Burana" von Carl Orff: Eine Kombination, der durchaus eine gewisse innere Logik zugrunde liegt, war es doch Orffs ursprüngliche Intention, eine Chorfantasie zu schaffen. Und das Rad der Fortuna dreht sich ohnehin weiter, auch in der bisher glückhaften Erfolgsgeschichte des Festivals, das ab Herbst mit Johannes Neubert als Nachfolger von Rudolf Buchbinder eine neue künstlerische Leitung erhält.

Bemerkenswert, dass diesmal nicht das Tonkünstler-Orchester NÖ als Residenz-Orchester, sondern die Londoner den Eröffnungsabend gestalteten. Sie machten ihre Sache ausgezeichnet, spielten präzise und klanglich gut austariert. Auch der Wiener Singverein war von Johannes Prinz prächtig einstudiert, ebenso die Wiener Chormädchen (der Mädchenchor der Wiener Sängerknaben) durch Stefan Foidl.

Atemberaubend schöne Momente

Highlight des Abends war wohl das Solistentrio bei Orff: Nicholas Phan ließ den gebratenen Schwan zum Erbarmen jammern, German Olvera legte viel Sorgfalt und Lebendigkeit in seine Bariton-Arien, und die deutsche Sopranistin Nikola Hillebrand sorgte für atemberaubend schöne Momente, etwa im "Dulcissime"-Solo. Orff sei "ein Sadist" gewesen, indem er derart schwierige Solopartien komponiert habe, meinte Buchbinder beim Empfang nach dem Konzert, doch seien die Carmina Burana für ihn "eines der bedeutendsten Werke überhaupt".

Buchbinder hatte zuvor bei Beethovens "Chorfantasie" den Klavierpart mit souveränem Impetus übernommen: Ein Werk, in dem sich der letzte Satz der neunten Symphonie mit der Ode "An die Freude" bereits ankündigt. Freude und Glück sind allerdings fragile Emotionen. Wie heißt es doch bei Orff: "O Fortuna! Wie der Mond so veränderlich..." An diesem Abend zumindest passte alles zusammen.