Über dem Schweizer Bergdorf Randa im Kanton Wallis droht ein gewaltiger Eisblock abzubrechen. Rund 250.000 Tonnen Eis könnten am Weisshorn in die Tiefe stürzen. Die jüngsten Schneefälle verschärfen die Situation zusätzlich. Experten überwachen die Entwicklung mit großer Sorge.
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Der Hängegletscher Weisshorn Ost wird bereits seit Ende Juni engmaschig kontrolliert. Im August wurden verstärkte Bewegungen festgestellt, weshalb die Warnstufe auf drei von vier angehoben wurde. Das besiedelte Gebiet ist laut Gemeinde derzeit nicht bedroht. Im ausgewiesenen Gefahrenbereich darf sich niemand aufhalten.
Eisblock bewegt sich täglich talwärts
Norbert Carlen, Ingenieur für Naturgefahren beim Kanton Wallis, schilderte dem "Walliser Boten" die Dynamik des Eisblocks. Dieser bewege sich mit bis zu 20 Zentimetern pro Tag talwärts. Die Situation sei hochdynamisch. Angesichts der jüngsten Schneefälle äußerte der Experte gegenüber der Zeitung auch persönliche Besorgnis: "Das macht mir persönlich schon ein bisschen Bauchschmerzen."
Der Grund: Sollte der Eisblock abbrechen, könnte er die darunterliegenden Schneemassen mitreißen. Dadurch würde sich die Wucht einer möglichen Lawine erheblich verstärken. Auf dem Plateau unterhalb des Gletschers könnten sich in den kommenden Wochen große Mengen Neuschnee ansammeln.
Gefahr einer folgenschweren Kettenreaktion
Auch Stefan Margreth, Experte für Lawinenschutz am Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF), sieht ein besonders gefährliches Szenario. Gegenüber der Schweizer Zeitung "Blick" erklärte er: "Das extremste Szenario wäre, wenn der Eisblock abrutscht und zusätzlich eine hohe Lawinengefahr herrscht."
Bei einer instabilen Schneedecke könnte eine Eislawine weitere Schneelawinen auslösen. Eine solche Kettenreaktion wäre potenziell verheerend. Margreth schränkt allerdings ein, dass das Risiko stark von den jeweiligen Schneeverhältnissen abhängt. Bei einer stabilen Schneedecke sei die Gefahr einer großen Kettenreaktion vergleichsweise gering.
Randa hat eine tragische Geschichte
Das Bergdorf ist bereits mehrfach von schweren Eis- und Schneelawinen betroffen gewesen. Im Januar 1636 kamen 37 Menschen bei einem solchen Unglück ums Leben. Im Jahr 1720 forderte ein ähnliches Ereignis zwölf Todesopfer.
Wann und ob sich der aktuelle Eisblock löst, lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen. Die Behörden beobachten die Lage deshalb laufend. Sollte ein Abbruch unmittelbar bevorstehen, kann die höchste Warnstufe ausgerufen werden, die auch Evakuierungen vorsieht.