Abkühlung nötig

30 Grad und mehr: Touris machen Bogen um Wien

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Die Klimakrise bedroht den Wiener Tourismus und zwingt die Branche zu teuren Anpassungen, um sich im internationalen Wettbewerb behaupten zu können.
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Die Rekordhitze in diesem Sommer bereitet Wiens Hoteliers, Wirten und Reiseanbietern große Sorgen. Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke machen den Aufenthalt in der Bundeshauptstadt für Besucher nämlich nicht angenehm, sondern eher anstrengend. Restaurants etwa verzeichnen Rückgänge bei ihren Umsätzen, weil Gäste den Gang in die Innenstadt bzw. in den Schanigarten tagsüber vermeiden. Die Stoßzeiten verschieben sich dadurch in die Abendstunden, wenn die Hitze allmählich nachlässt.

Besonders Hotels stehen logistisch vor einer kostspieligen Herausforderung. Oft sind die bestehenden Klimaanlagen nicht für die extremen Temperaturen ausgelegt und können Zimmer trotz Dauerbetrieb kaum ausreichend kühlen. "Nicht-klimatisierte Zimmer kann man in einem Sommer wie heuer nicht verkaufen. Das hat sich bewiesen", erklärt Felix Neutatz, der Obmann der Wiener Hotellerie.

"Und vor allem müssen wir unsere Zimmer ja schon vorab kühlen, auch wenn sie noch nicht verkauft sind. Denn ein ungekühltes Zimmer auf angenehme Temperatur zu bringen, geht nicht so schnell, da checkt ein Gast gleich wieder aus, wenn es 30 Grad im Raum hat. Deshalb müssen wir die Zimmer immer kühl halten, was natürlich die Kosten erhöht", so Neutatz weiter. Für neue Kühlanlagen sind jedoch Investitionen von mehreren Hunderttausend Euro nötig, große Häuser würden hier sogar an der Millionengrenze kratzen.

Ab 30 Grad "mühsam"

Aufgrund der anhaltenden Sommerhitze droht Wien bei Städtereisen an Attraktivität zu verlieren. Branchenvertreter rechnen damit, dass Reisende ihre Urlaube verstärkt in andere Jahreszeiten verlegen oder gleich kühlere Städte bevorzugen.

"Ab 30 Grad werden Städtereisen mühsam, das wissen die Gäste. Das heißt, sie verlegen ihre Trips entweder zeitlich, also in das Frühjahr oder den Herbst, oder örtlich und weichen in kühlere Städte etwa weiter im Norden aus", sieht Gregor Kadanka, Obmann der Wiener Reisebüros, Städte wie Stockholm, Kopenhagen oder Helsinki eher auf der Gewinnerseite als Wien. Dazu kommt, dass sich die Gästeströme nicht beliebig verschieben lassen, da man an die Grenzen der Kapazität stößt.

Kadanka ergänzt: "Der September und Oktober etwa sind die beliebtesten Monate für Kongresse und Seminare, da sind die Hotels in Wien schon bisher gut gefüllt. Im Gegensatz zum Sommer, wo ein großer Teil der Geschäftsreisenden wegfällt. Eine Verschiebung weiterer Städtetouristen vom Sommer in den Frühling oder Herbst ist also problematisch. Weil der tendenziell schwächere Sommer geschwächt und in der starken Saison davor und danach die Kapazitäten ausgeschöpft würden."

Gewinner bei Freizeitbetrieben

Zumindest profitieren einige Freizeitangebote von der Hitze. "Dort wo es gekühlt ist oder man sich erfrischen kann, waren die Attraktionen gut besucht: Von Museen über die Freibäder bis hin zu Sehenswürdigkeiten unter der Erde wie der Kapuzinergruft und den Katakomben unter dem Stephansdom", weiß Gerti Schmied, Obfrau der Freizeitbetriebe in der Wirtschaftskammer Wien. Für viele bedeute die Klimaveränderung auch eine direkte Änderung der Arbeitszeiten: "Die Fremdenführer etwa werden ihre Führungen früher oder später am Tag anbieten, um die kühleren Stunden zu nutzen. Das machen auch schon die ersten Museen, so hat etwa das Belvedere im Sommer länger offen."

Als Lösungsansätze fordert die Branche mehr Unterstützung für Betriebe, schnellere Genehmigungen für Klimaanlagen und Photovoltaik sowie zusätzliche Veranstaltungen, die Wien auch in heißen Sommermonaten attraktiv halten sollen. "So können wir uns noch stärker als Eventstadt positionieren, hier haben wir noch Aufholpotenzial", meint Dominic Schmid, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft. Er drängt darauf, möglichst schnell eine Strategie für den Wiener Tourismus zu entwickeln.