In Pflegefamilie

38-Jährige gibt sich als 12-jähriges Mädchen aus

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Eine erwachsene Frau hat über ein Jahr lang eine gutgläubige Pflegefamilie getäuscht, indem sie sich als kleines Kind ausgab. Erst durch eine Internet-Recherche flog das bizarre Schauspiel auf, das nun mit einer Haftstrafe endete.
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Ein unfassbarer Kriminalfall aus Brasilien sorgt derzeit weltweit für fassungsloses Kopfschütteln. Eine erwachsene Frau hat sich über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr erfolgreich als schulpflichtiges Kind ausgegeben und so das Vertrauen einer gutgläubigen Pflegefamilie erschlichen. Die Täuschung war derart perfekt inszeniert, dass die Familie der vermeintlich Minderjährigen sogar ein eigenes Kinderzimmer einrichtete. Nun wurde die Schwindlerin, Amanda Maria Souza de Oliveira, von einem Gericht in Santa Catarina zu einer unbedingten Gefängnisstrafe verurteilt.

Die Geschichte, die an das Drehbuch eines Hollywood-Thrillers erinnert, beschäftigt mittlerweile internationale Medien von der britischen "Times" bis zur "Daily Mail". Die Angeklagte hatte sich mit einer ausgeklügelten Lebenslüge in das Herz und das Haus der Pflegeeltern geschlichen. Erst die Skepsis einer misstrauischen Verwandten brachte das Lügengebäude schließlich zum Einsturz.

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Der bizarre Weg in die Pflegefamilie

Der erste Kontakt zwischen der Betrügerin und der Familie kam über einen Pastor einer evangelikalen Kirchengemeinde zustande. Zunächst stellte sich Amanda Maria Souza de Oliveira unter dem falschen Namen Gabriele vor und behauptete, eine junge Erwachsene auf der Suche nach Arbeit in einer Bäckerei zu sein. Die hilfsbereite Familie nahm die Frau vorübergehend bei sich auf, um ihr den Start in ein neues Leben zu erleichtern. Doch schon bald änderte die vermeintliche Schutzsuchende ihre Masche auf dramatische Weise.

Plötzlich behauptete sie, in Wahrheit noch ein kleines Kind zu sein, das sich auf der Flucht vor einem gewalttätigen Vater befinde. Um ihr reiferes, erwachsenes Aussehen zu erklären, erfand sie eine hanebüchene Geschichte: Ihr Vater habe sie jahrelang gezwungen, Hormone einzunehmen, was ihren Körper vorzeitig habe altern lassen. Zudem gab sie an, unter einer schweren Form von Autismus zu leiden. Die Familie glaubte den Schilderungen und beschloss, das vermeintliche Kind dauerhaft aufzunehmen.

Schnuller und Milchflaschen im Kinderzimmer

In der Folge richtete die Pflegefamilie für ihren neuen Schützling ein liebevolles Kinderzimmer ein, das mit Spielzeug, Puppen und Kinderzeichnungen ausgestattet wurde. Es wurde sogar eine feierliche Geburtstagsparty für das angebliche Kind organisiert. Um den Schwindel vor den Behörden und Schulen geheim zu halten, wies Oliveira die Pflegeeltern an, ihre Anwesenheit strengstens zu verschweigen – angeblich aus Angst, ihr gewalttätiger Vater könnte sie aufspüren.

Die Verurteilte steigerte sich im Laufe der Zeit immer tiefer in ihre kindliche Rolle hinein, um keinerlei Zweifel aufkommen zu lassen:

  • Sie begann, regelmäßig an Schnullern zu nuckeln.
  • Sie trank ihre Milch ausschließlich aus Nuckelflaschen für Kleinkinder.
  • Sie sprach mit einer extrem hohen, kindlich verstellten Stimme.
  • Sie umgab sich im Alltag fast ausschließlich mit Spielsachen.

Das Ende des bizarren Schauspiels

Das Ende der unglaublichen Täuschung wurde durch eine aufmerksame Verwandte der Pflegefamilie eingeleitet. Da sie der Geschichte der vermeintlichen Pflegetochter von Anfang an misstraute, startete sie eine detaillierte Recherche im Internet. Dabei stieß sie auf Berichte über identische Vorfälle in anderen brasilianischen Bundesstaaten und verständigte umgehend die Polizei. Als die Beamten im Haus eintrafen, bot sich ihnen ein bizarres Bild: Die Frau saß inmitten von Puppen auf ihrem Bett und lutschte an einem Schnuller.

Als ein Polizist sie jedoch direkt mit ihrem echten Vornamen Amanda ansprach, brach das Lügenkonstrukt augenblicklich in sich zusammen. Sie wechselte sofort in ihre normale, erwachsene Stimmlage und fragte die Beamten ruhig, ob sie mitkommen solle. Bei der anschließenden Vernehmung gestand sie, diese Masche seit rund eineinhalb Jahrzehnten in insgesamt neun brasilianischen Bundesstaaten abgezogen zu haben.

Haftstrafe trotz psychologischer Rechtfertigung

Als Motiv für ihre Taten nannte die Angeklagte eine schwere emotionale Vernachlässigung in ihrer eigenen Kindheit. Sie habe durch das Schauspiel lediglich die Zuneigung, Aufmerksamkeit und Sicherheit gesucht, die ihr als echtes Kind verwehrt geblieben waren. Die Absicht, der Familie finanziellen Schaden zuzufügen, bestritt sie vehement.

Ein Richter am zuständigen Gericht in Santa Catarina folgte dieser Argumentation jedoch nicht. Die Verteidigung hatte vergeblich versucht, auf eine psychische Erkrankung zu plädieren. Das Gericht stellte fest, dass die Frau vollkommen bewusst und vorsätzlich gehandelt habe. Sie wurde wegen Betrugs und der Verwendung einer falschen Identität zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Die Verteidigung hat bereits angekündigt, gegen das Urteil in Berufung zu gehen.