Nach Erhebungen der kremlnahen Stiftung für Öffentliche Meinung (FOM) sank die Zustimmung innerhalb einer Woche auf 66 Prozent – ein Minus von fünf Prozentpunkten und damit der stärkste Wochenrückgang seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Jahr 2022. Auch das staatliche Meinungsforschungsinstitut WZIOM registrierte zuletzt rückläufige Werte.
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung, weil unabhängige Meinungsumfragen in Russland kaum noch möglich sind und viele Experten darauf hinweisen, dass sich Bürger aus Angst vor Repressionen häufig nicht offen äußern. Sinkende Werte in staatlich beeinflussten Umfragen gelten deshalb als ungewöhnliches Signal.
Kreml-Chef unter Druck
Als Hauptgrund für die wachsende Unzufriedenheit nennen Analysten die Folgen des Krieges im eigenen Land. Ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien und Treibstofflager haben die russische Energieversorgung zunehmend unter Druck gesetzt. In mehreren Regionen kam es zu Benzinengpässen, Preissteigerungen und teilweise sogar zu Rationierungen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden inzwischen von vielen Russen stärker wahrgenommen als noch vor einigen Monaten.
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Hinzu kommen eine schwächelnde Wirtschaft, steigende Lebenshaltungskosten und eine wachsende Kriegsmüdigkeit. Umfragen zeigen, dass das Vertrauen in staatliche Institutionen und die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage ebenfalls deutlich nachgelassen haben.
Der Zeitpunkt ist für den Kreml besonders heikel. Im September finden in Russland Parlamentswahlen statt. Zwar gilt das politische System als stark kontrolliert und Putins Macht ist kurzfristig kaum gefährdet. Dennoch werden die Wahlen als wichtiger Stimmungstest für die Regierungspartei "Einiges Russland" angesehen. Politikwissenschaftler beobachten, dass der Kreml zuletzt verstärkt versucht, Putin öffentlich als volksnahen Staatschef zu präsentieren und die Bindung an die Regierungspartei zu stärken – ein Hinweis darauf, dass die Führung den schwindenden Rückhalt durchaus ernst nimmt.