Nachdem US-Präsident Donald Trump den brasilianischen Schiedsrichter Raphael Claus öffentlich kritisiert hatte, legt nun auch Andrew Giuliani, Leiter der WM-Taskforce des Weißen Hauses, nach – und begründet, warum die US-Regierung ein Eingreifen bei der Fifa für gerechtfertigt hielt.
Vor Journalisten in Washington erklärte Giuliani: "Wir fanden es äußerst verdächtig, dass ein Schiedsrichter im Einsatz war, der zuvor im Zusammenhang mit einer Untersuchung zu Spielmanipulationen genannt worden war – und zwar speziell im Zusammenhang mit unrechtmäßig ausgesprochenen Roten Karten."
Hintergrund ist das Achtelfinale der USA gegen Bosnien-Herzegowina (2:0). Claus hatte Balogun nach einer Überprüfung durch den Video-Assistenten mit Rot vom Platz gestellt. Kurz darauf schaltete sich Trump persönlich ein und telefonierte mit Fifa-Präsident Gianni Infantino. Wenige Stunden später hob die Fifa die Sperre des US-Angreifers auf – ein in der Fußball-Welt höchst ungewöhnlicher Vorgang, der heftige Diskussionen über politischen Einfluss auf den Weltverband auslöste.
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Giuliani kritisierte zudem die Arbeitsweise des Video-Assistenten: "Und wenn man dann noch berücksichtigt, dass der VAR-Prozess falsch angewendet wurde: Bei Kontaktfouls darf man in der VAR-Überprüfung eigentlich keine Zeitlupenbilder verwenden – und genau das wurde getan. Nimmt man diese beiden Faktoren zusammen, erschien uns das äußerst, äußerst verdächtig."
"Das sind Fakten"
Ein brasilianischer Journalist widersprach den Vorwürfen und stellte klar, dass Claus in den Ermittlungen aus dem Jahr 2024 lediglich als Zeuge aufgetreten sei und nie selbst beschuldigt wurde. Giuliani räumte dies ein, beharrte aber auf seiner Darstellung: "Er wurde keiner Straftat beschuldigt. Das wissen wir. Ich sage lediglich, dass er mit einer Untersuchung zu Spielmanipulationen in Brasilien vor einigen Jahren in Verbindung stand, bei der es – ich zitiere – um ‚unrechtmäßige Rote Karten‘ ging. Das sind die Fakten."
Die Fifa weist sämtliche Zweifel an Claus" Integrität entschieden zurück. Schiedsrichter-Chef Pierluigi Collina erklärte, der Brasilianer habe während seiner gesamten Laufbahn "stets höchste Professionalität und Integrität bewiesen". Auch der brasilianische Fußballverband betonte, es gebe keinerlei Hinweise auf Fehlverhalten oder Umstände, die seine Unparteilichkeit infrage stellten.
Der Fall sorgt damit weiter für Diskussionen – nicht nur wegen der umstrittenen Roten Karte, sondern vor allem wegen der Frage, ob politischer Druck Einfluss auf Entscheidungen des Fußball-Weltverbandes genommen hat.