Premiere
Alex Kristan liefert Sex and Drugs statt Gänseblümchen
Wenn der Friseur das erste Mal fragt, ob er die Augenbrauen mitschneiden soll. Wenn in der Garage das unendlich teure E-Bike als vegane Harley steht. Und wenn einem die Idee einer Domina alleine deshalb schon absurd erscheint, weil einem morgens beim Aufstehen eh schon alles wehtut - dann schreitet das Alter voran. Und doch lässt sich Alex Kristan davon nicht beirren und bleibt auch in seinem neuen Programm dem Lebensmotto "Born to be Child" treu.
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Am Dienstagabend feierte der 55-Jährige im Wiener Globe die Uraufführung seines fünften, unverkennbar kristanischen Solokabaretts. Damit spielt der Niederösterreicher mittlerweile in einer eigenen Liga, sind doch alleine im gigantischen Globe bis Ende kommenden Jahres noch 43 Mal Abende angesetzt - nebst zahlreichen weiteren Auftritten in ganz Österreich (und auch in Wien).
Ein humoristisches Lagerfeuer
Alex Kristan ist mit T-Shirt und Cargohose sowie einer Wasserflasche als einzigem Bühnenrequisit einfach ein Künstler, auf den sich weite Teile des humoraffinen Landes einigen können. Ein humoristisches Lagerfeuer, um das sich viele versammeln. Der 55-Jährige hat die Rolle des sympathischen Manns von nebenan mit einem Humor, der trifft, aber nicht bösartig ist, kultiviert. Die Rollenbilder entsprechen hier noch dem klaren "So ist der Mann" und "So ist die Frau", das Ganze wird aber ohne geifernde Man-wird-doch-wohl-noch-sagen-dürfen-Mentalität, sondern mit gutem Schmäh transportiert.
"Der erste Gag in einem Kabarettprogramm ist wie René Benko - der muss sitzen", wird da zum Auftakt postuliert. Und das tut er, wie die meisten folgenden auch. So blickt der in Mödling geborene Kristan in "Born to be Child" zwar ein wenig nostalgisch, nicht aber sentimental auf die alten Zeiten zurück.
Sex and Drugs statt Gänseblümchen
Die "demokratische Abstimmung" über die Richtung des Abends mittels Applaus - "Sex, Drugs and Rock'n'Roll" oder "Friede, Freude, Gänseblümchen" - schlägt erwartungsgemäß in Richtung Ersterer aus. Und so gibt es in rund zweieinhalb Stunden Jugend- und Schulanekdoten ("Meine Mutter war öfter in der Schule als ich") über das erste Autofahren und erste Räusche ("Ich weiß, man kann auch ohne Alkohol lustig sein - aber warum ein unnötiges Risiko eingehen?!"). Letztlich steht die Erkenntnis, dass der Mann immer Kind bleibt - nur die Spielzeuge werden teurer (siehe E-Bike).
Das Ganze bleibt weitgehend unpolitisch, auf persönlicher Ebene. Erst nach zwei Stunden reitet Kristan zu einem kleinen Exkurs über deprimierende Weltnachrichten und stets alarmistische Experten, gegen die Debatte über Neutralität und für eine Erziehung der Kinder zu Respekt und Anstand aus. Die traditionelle Stimmimitation seiner Stammbesetzung zwischen Herbert Prohaska und Arnold Schwarzenegger über ein gesundes Leben lässt diese Episode aber wieder schnell hinter sich. Und so bleibt am Ende die Lebensweisheit: "Kinder und Besoffene sagen immer die Wahrheit - Leggins auch."