Neue Studie

Allergie-Rätsel: Kinder reagieren anders als Erwachsene

© Getty Images
Kinder und Erwachsene mit Atemwegsallergien reagieren offenbar nicht auf dieselben Allergene. Eine internationale Studie unter Koordination der MedUni Wien zeigt ein überraschend deutliches Muster: Bei Kindern treten Sensibilisierungen gegen Hausstaubmilben häufiger auf, bei Erwachsenen dagegen Reaktionen auf Pollen.
Zur Vollversion des Artikels

Für die Studie untersuchten Forschende die Reaktionen auf insgesamt 105 verschiedene Allergenmoleküle. Zunächst wurden 539 allergische Kinder und Erwachsene aus der Region Algier untersucht. Anschließend überprüfte das Team die Ergebnisse bei weiteren 272 Patientinnen und Patienten aus Istanbul und Samsun.

Wie der Kurier berichtet, zeigte sich in beiden untersuchten Gruppen ein ähnliches Bild: Kinder mit Atemwegsallergien waren häufiger gegen wichtige Hausstaubmilben-Allergene sensibilisiert. Erwachsene reagierten dagegen öfter auf typische Pollen ihrer jeweiligen Region.

In Algerien ging es dabei unter anderem um Oliven- und Gräserpollen, in der Türkei um Oliven- und Ragweedpollen.

Muster auf zwei Kontinenten

"Dass wir dieses Muster in zwei unabhängigen Populationen auf unterschiedlichen Kontinenten beobachten konnten, ist besonders interessant", erklärte Studienautor Rudolf Valenta von der MedUni Wien laut Kurier.

Warum sich die Sensibilisierung zwischen Kindern und Erwachsenen unterscheidet, lässt sich aus der Studie allerdings noch nicht eindeutig erklären. Als mögliche Faktoren werden unter anderem veränderte Lebensgewohnheiten, mehr Zeit in Innenräumen sowie Veränderungen bei Klima, Vegetation und Luftverschmutzung diskutiert.

Auch beim Asthma gibt es Unterschiede

Ein weiterer Unterschied fiel den Forschenden auf: In beiden untersuchten Populationen trat Asthma bei Kindern mit Atemwegsallergien häufiger auf als bei Erwachsenen.

Einen direkten Zusammenhang zwischen einer Sensibilisierung gegen Hausstaubmilben und Asthma können die Forschenden daraus allerdings nicht ableiten. Dafür seien weitere langfristige Untersuchungen notwendig.

Hoffnung auf gezieltere Behandlung

Die Ergebnisse könnten künftig auch für die Allergiediagnostik und Behandlung relevant sein. Molekulare Untersuchungen ermöglichen es, genauer festzustellen, auf welche einzelnen Allergene das Immunsystem reagiert.

Laut Valenta könnten solche Analysen dabei helfen, Therapien und möglicherweise auch Präventionsmaßnahmen gezielter auf unterschiedliche Bevölkerungsgruppen abzustimmen.